Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728014
Die Tracht. 
Fufsbekleidung. 
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bedingte das öffentliche Leben, sobald der Römer sich im Schmuck der 
Toga zeigte, den geschlossenen, unserem hohen Frauenschuh ähnlichen 
calceus (vgl. Fig. 227, N0. 4). Auf Bildwerken erblicken wir denselben 
häufig an den Füfsen von Männern und Frauen, und mag wohl nur in 
der Farbe und Feinheit des Leders ein Unterschied gewesen sein. Wie 
aber die Toga und Tunica durch die oben genannten Abzeichen als aus- 
schliefsliche Amtstracht gewisser Classen von Beamten sich charakterisirten, 
erstreckte sich diese Uniform, wenn dieser Ausdruck für die Verhältnisse 
der alten Welt schon angewendet werden darf, auch bis auf die Fufs- 
bekleidung. Calcei, welche mit vier bis auf die Waden hinaufreichenden 
Sclinürriemen (cowigiae) am Fufse befestigt und mit einer halbmondför- 
migen, wahrscheinlich auf dem Fufsblatte aufgehefteten Verzierung von 
Elfenbein (lunula) geschmückt waren, gehörten zu dieser Amtstraeht. Und 
selbst bei diesen Schuhen machten die Römer noch verschiedene, uns aller- 
dings nicht ganz klare Unterschiede, je nachdem dieselben zu der Amts- 
tracht der einen oder der anderen Rangclasse gehörten. Man unterschied 
nämlich den anulleus, den für die curulischen Magistrate bestimmten Schuh, 
von dem senatorischen und patricischen calceus. Der nzulleua soll roth, 
der calceus consularis weifs und der calceus patricius schwarz gewesen 
sein. Ohne Zweifel war aber die Farbe nicht das alleinige Unterscheidungs- 
zeichen, vielmehr ist es höchst wahrscheinlich, dal's in ihrer Form, nament- 
lich aber in der Art ihrer Gürtung um das Bein, ein Unterschied bestanden 
habe, den wir freilich auf den Monumenten nicht nachzuweisen im Stande 
sind. Der Calceus war ohne Zweifel aus Leder und wurde mittelst eines 
Schwammes gereinigt, wie dies uns in der ehemals Hertischen Samm- 
lung! zu London eine Bronzestatuette veranschaulicht, einen äthiopischen 
Sklaven darstellend, welcher im Begriff ist, mit einem Schwamme einen 
Stiefel zu putzen. 
Eine bei weitem gröfsere Mannigfaltigkeit als bei dem auf den Mo-' 
numenten mit dem Namen Calceus bezeichneten Schuhwerk zeigt sich 
jedoch bei den von künstlich verschlungenem Riemwerk gehaltenen San- 
dalen, sowie bei der vom Spann an aufwärts geschnürten und bis zu den 
Waden reichenden strumpfartigen Fufsbekleidung, eine Tracht, Welche 
unstreitig dem griechischen Vorbilde entlehnt war, für deren richtige Be- 
nennung uns jedoch jeder Anhalt fehlt. Diese letztere Fufsbekleidung 
zeichnet sich besonders an den im kriegerischen Costüm dargestellten 
Kaiserstatuen durch ihre Eleganz aus, indem die oberen, den Waden sich 
l Cßlalvgllß Of Ihe Collection of Assyrian etc. 
von W. Koner. Tab. III. 
Antiquities, 
formed by Hertz, 
38'" 
bearbeitet
        

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