Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727987
ihrer Gehieterin, und mufsten nicht selten ihre entblöfsten Arme und 
Schultern den Nadelstichen preisgeben, mit denen die launische Schöne 
etwaige Ungeschicklichkeiten zu strafen pflegte, während sie selbst, um 
den Schein von Bildung zu wahren, den gelehrten Vorträgen von be- 
zahlten Rhetoren und Philosophen ihre Aufmerksamkeit zu schenken 
schien. Zu weit würde es aber führen, wollten wir hier alle verschie- 
denen Schemata des Haarputzes aufführen, in welchen die Damen der 
kaiserlichen Familie und andere Römerinnen auf Bildwerken erscheinen, 
und so haben wir uns darauf beschränkt, nur die Portraitköpfe dreier 
Fig 474. Kaiserinnen nach Münzen 
m g. ' abzubilden (Fig. 474), von 
 95,3 3:33,13;  denen a das Brustbild der 
   25x Sabina, der Gemahlin des 
 "im " Hadrian, Z2 das der Annia 
i 2'932, Galeria Faustina, der Ge- 
   mahlin des Antoninus Pius, 
l NÄ c das der Iulia Domna, der 
" b c Gattin des Septimius Seve- 
rus, darstellt. Für jene thurmartig construirten Coilfüren, sowie für den 
schnellen Wechsel der Moden reichte aber das eigene Haar nicht immer 
aus, und eingeflochtene Touren fremden Haares oder vollständige Per- 
rücken mufstcn deshalb den Mangel ersetzen. Selbst die bildende Kunst 
verschmähte es nicht, jene barocken Haaraufsätze in allen ihren Einzel-' 
heiten bei den Portraitstatuen nachzubilden und dem Wechsel der Moden 
dadurch gerecht zu werden, dal's sie den Büsten einen abzunehmenden 
Kopfputz von Marmor aufstülpte, welcher nach der gerade herrschen- 
den Mode durch einen anderen ersetzt werden konnte. So befindet sich 
z. B. in der Königlichen Antikensammlung zu Berlin eine der Lucilla 
zugeschriebene Büste, an welcher die Frisur abgenommen werden kann. 
Neben dem unnatürlichen Haarputz bestand aber auch schon frühzeitig 
unter den Römerinnen die Unsitte, das eigene Haar zu färben. Beson- 
ders beliebt war es, dem Haare eine röthlich- gelbe Färbung zu geben, 
und bediente man sich dazu einer aus Talg und Asche bereiteten kausti- 
sehen Seife (spuma caustica, auch spuema Batava genannt), die man aus 
Gallien sich verschrieb. Durch die Verbindung, in welche die langwierigen 
Kriege die Römer mit den Germanen gebracht hatten, war bei den römi- 
schen Damen, hervorgerufen durch die dunkele Farbe ihres eigenen Haares, 
eine Vorliebe für die blonden Haare (flavae comae) der deutschen Frauen 
erwacht. Diese wurden zum förmlichen Handelsartikel und aus ihnen wur-
        

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