Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727970
Die Tracht. 
Haartracht der Frauen. 
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Ein länglich Antlitz heischt auf blofsem Scheitel 
Gespaltnes Haar, wie Laodamia es trug. 
Dem runden Angesichte steht es wohl, 
Wenn auf der Stirne sich das Haar in Knoten windet, 
Die Ohren aber blofs und oiTen läfst; 
Die eine lass' es sich um beide Schultern wehen, 
Wie Sänger Phoebus steht, wenn er die Harfe schlägt, 
Die andre bind' es, wie die rüstige Diana, 
Wenn sie das aufgeschreckte Wild verfolgt, 
Im Nacken in einander. 
Die kleideüs gut, wenn los das Haar herunterweht; 
Die andre mufs es sich in Fesseln schlingen; 
Und diese wirft es in ein Netz u. s. w. 
Diese kosmetischen Vorschriften waren aber hauptsächlich wohl für jugend- 
liche Schönen berechnet, während die verheiratheten Frauen, in den Zeiten 
der strengeren Sitte wenigstens, das Haar in ein hohes, von Binden ge- 
haltenes und umwundenes Toupe, tutulus genannt, auf dem Wirbel des 
Kopfes thurmartig anordneten; so wenigstens glauben wir die Erklärung 
des Tutulus bei Varro (VII, 44) verstehen zu müssen: tutulus appellatur 
ab eo quod matercs familias crines convolutos ad eerticem capitis guos 
habent vitta eelatos, dicebantur tutuli, sive ab eo quod id tuendi causa 
capilli jiebat, scive ab eo quod altissiwzzewz in urbe quod est, am, tutis- 
simum vocatur. Vielleicht Wäre die Bezeichnung der Haartracht der Mutter 
auf dem schon mehrfach erwähnten Wandgemälde (Fig. 470) mit tutulus 
die richtige, nur dafs hier, wo die Mutter im festlichen Schmucke erscheint, 
der Tutulus statt durch Binden von einem goldenen Reifen festgehalten 
wird. Mit dem Verlassen der alten Sitte und mit der immer mehr um 
sich greifenden Putz- und Gefallsucht der Römerinnen verschwand auch, 
wenigstens unter den vornehmen Ständen, das ungekünstelte und deshalb 
schöne Haarcostüm, und machte oft den ahenteuerlichsten, gleichviel ob 
aus eigenen oder aus fremden Haaren aufgethürmten Frisuren Platz, wie 
solche unter anderem Juvenal (VI, 502) in folgenden Worten schildert: 
........Sicbauet 
Sich auf den Kopf, und 
auf Stockwerk 
durch Bindebalken 
Stockwerk 
erhöht ihn 
zum 
Thurme. 
Die Haarkosmetik bildete ein förmliches Studium und ihr wurde von den 
vornehmen Damen ein nicht geringer Theil der Zeit gewidmet, welche 
überhaupt fiir die Toilette bestimmt war. Besondere Dienerinnen, voll- 
kommen eingeweiht in alle jene zahllosen Toilettenkünste, mit welchen 
die Herrin ihre natürlichen Mängel vielleicht zu verbergen und die Augen 
der Männerwelt auf sich zu ziehen versuchte, besorgten den Kopfputz
        

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