Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727962
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Die Trmht. 
Haartraßht der Frauen. 
Kleidsamer und prächtiger aber war die uns schon von den Griechinnen 
her bekannte netzförmige, aus Goldfäden gebildete Kopfbedeckung (rett- 
culum), eine Tracht, welche jetzt allgemein wieder Mode geworden ist 
und einer weiteren Erklärung deshalb nicht bedarf. Solches Reticulum 
trägt z. B. auf Fig. 472 die sitzende weibliche Figur. 
Von bei weitem mannigfaltigerem Interesse dürfte aber eine Zusammen- 
stellung der weiblichen Haartrachten sein, welche wir auf den Monumenten 
der Kaiserzeit in grofser Menge wahrzunehmen Gelegenheit haben. Alle 
Haartrachten, von der einfachsten und anspruchlosesten bis zu der com- 
plicirtesten und abgeschmacktesten, finden sich im römischen Alterthume 
vor, und gewifs nicht übertrieben heifst es im Ovid, vdafs man ebenso- 
wenig die verschiedenen, zu Rom üblichen Haartrachten zählen könne, als 
die Eicheln einer astreichen Eiche, als die Bienen auf der Hybla, als das 
Wild auf den Alpen; dal's man die verschiedenen Lagen der Haare nicht 
in eine Zahl zusammenzufassen vermöge, und dafs jeder Tag ein neues 
Ornat des weiblichen Hauptes erzeuge". Wie gering ist aber, nach diesen 
Worten des Dichters zu urtheilen, die immerhin noch recht grofse Zahl 
von Beispielen römischer Haartoiletten, welche uns in den Monumenten 
erhalten sind; besitzen wir doch fast nur die Bildnisse einer kleinen An- 
zahl von Kaiserinnen und kaiserlichen Prinzessinnen, welche wir aus den 
Werken der Sculptur, sowie aus den Münztypen kennen lernen. Jedes- 
falls genügen aber auch diese Bildwerke schon, um uns einen Blick in 
die epochemachenden Moden der verschiedenen Zeiten zu verschaffen, da 
man wohl annehmen darf, dal's die von den Damen des kaiserlichen Hofes 
eingeführten oder für sie erfundenen Moden ihre NachäHung bei der ganzen 
weiblichen Zeitgenossenschaft gefunden haben. Wie in den ersten Jahr- 
hunderten der Republik in allen übrigen Theilen der Tracht Einfachheit 
und Züchtigkeit sich kund gab, war auch die weibliche Haartracht damals 
eine ungekünstelte und anmuthige. Gescheitelt oder ungescheitelt wurde 
das lange Haar in Wellenlinien nach hinten gekämmt und geflochten oder 
zusammengedreht (crines in nodum vincti, crines ligati) und kranzartig 
bald auf dem Scheitel, bald tief im Nacken mittelst Bänder und Spangen 
befestigt (vgl. auf F ig. 470 die Haartracht der neben der Mutter stehenden 
Tochter). Ebenso beliebt war es, das Haar in langen Locken sich um 
den Kopf ringeln zu lassen oder das Stirnhaar in dichten Flechten mit 
dem Hinterhaar zu verbinden u. s. w. Der Eitelkeit der Damen blieb es 
natürlich überlassen, je nach der Form ihres Gesichtes die eine oder die 
andere Frisur zu wählen und dieselbe nach ihrem Geschmack zu modeln. 
So bei Ovid '(Ars amat. III, 137 HI):
        

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