Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722471
12. Mit dem Peripteros, dem von einer Säulenhalle rings umgebenen 
Tempelhause, hat die griechische T empel-Architektur eigentlich ihre höchste 
Vollendung und ihren letzten Ahschlufs erreicht. Die so gewonnene Form 
konnte allerdings mit Abweichungen ausgeführt werden; die verschiedene 
Bildung der Cella als Antentempel, Prostylos und Amphiprostylos, und 
die verschiedene Anordnung des Innern konnten derselben den Reiz einer 
grofsen Mannigfaltigkeit verleihen; der Gedanke des umsäulten Tempel- 
hauses jedoch bleibt allen einzelnen Formen dieser Tempelgattung ge- 
meinsam. Allerdings aber kann diese Umsäulung der Cella erweitert werden. 
Eine solche Erweiterung lindct statt, wenn man statt einer Säulenreihe 
deren zwei rings um den Tempel herumführt, so dafs eine doppelte 
Säulenhalle, ein doppeltes Pteron gebildet wird. Diese Gattung nannten 
die Griechen ganz logisch und sachgemäß vocoxg dinzsQogfs-Tempel mit 
doppeltem Pteron. v Der Dipteros," sagt Vitruv, v ist achtsäulig, sowohl an 
der Vßrdßräeite, als auch an der ltlinterfront, aber um die Cella hat er 
eine doppelte Reihe von Säulen. Von dieser Gattung ist der dorisch er- 
baute Tempel des Quirinus und der ionische der Diana von Ephesus durch 
Ktesiphon." Die Vorschrift des Vitruv pafst, wie sehr oft, nicht ganz auf 
die erhaltenen Monumente, indem statt der von ihm angegebenen acht 
Säulen in den Facaden auch zehn vorkommen. Von den angeführten Bei- 
spielen befand sich der Tempel des Quirinus zu Rom, wo ihn Augustus 
"erbaut hatte; der zweite war in der That eines der glänzendsten Beispiele 
dieser Tempelform, die überhaupt von den durch ihre Prachtliebe aus- 
gezeichneten Griechen in den kleinasiatischen Niederlassungen vorzugsweise 
angewendet worden zu sein scheint.   
Schon in sehr früher Zeit erbaut, wird der Tempel der ephesischen 
Artemis (vgl. oben  2) als eines derjenigen Gebäude betrachtet, an denen 
sich de? iüniSßllß Ballßtyl  4) zuerst in seiner ganzen Vollendung offen- 
barte und in gröfstem Mafsstabe durchgeführt worden ist. In späterer 
Zeit durch glänzenden Ausbau verschönert, ohne dafs die ursprüngliche 
Anlage verändert worden zu sein scheint, galt er lange Zeit als das vollen- 
l Um hier die Anführung der auf die Anordnung des Grundrisses bezüglichen Be- 
nennungen der griechischen Tempel zu vervollständigen, fügen wir noch hinzu, dal's die- 
selben auch nach der Zahl der in den Fagadcn angeordneten Säulen bezeichnet wurden. 
S0 hiefs Tetrastylos ein Tempel, welcher vier Säulen in der Faeade halle (vergl. oben 
Fig. 16-19); ein Hexaslylos hatte deren sechs (vergl. Fig. 21-23); der Parlhenon mit 
seinen acht Säulen war ein Oktastylos (vergl. Fig. 24 u. 25); Dekastylos, zehnsäulig, war 
der Apollotempel zu lllilet (Fig. 31), und der WVeihelempel von Eleusis wurde wegen der 
zwölf Säulen in seiner Vorhalle ein Dodekastylos genannt Ävergl. Fig. 39).
        

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