Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727944
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Die Tracht. 
Männer. 
Haartracht der 
die ersten Barbiere (t0n80res) aus Sicilien nach Rom, und der jüngere 
Scipio Africanus soll der erste Römer gewesen sein, welcher sich täglich 
rasirte; jedoch scheint die Mode, mit kurzgescbnittenem Haupthaar und 
rasirt einherzugehen, sich erst nach und nach, und auch nur bei den 
Vornehmeren, eingebürgert zu haben. Das Haupthaar wurde entweder 
wellenförmig getragen oder mit Hülfe des Brenneisens (eines rohrartig 
gestalteten und daher calamistrum genannten Eisens) von den mit diesem 
Geschäfte betrauten Sklaven, den cinzflones, in kurze Löckchen (cincinni) 
gelegt. Eine Vergleichung der auf den römischen Münzen vorkommen- 
den Portraitköpfe, sowie der zahlreichen männlichen Portraitstatuen dürfte 
uns diese Haartracht veranschaulichen. Ebenso nun, wie bei uns von 
Zeit zu Zeit eine neue Haartracht auftaucht, für deren Herstellung unsere 
jüngere Generation weder Zeit noch Geld scheut, fand auch zu Rom ein 
häufiger Wechsel der Haartrachten statt, und gab es dort in "der Zeit des 
Verfalls der Sitten Gecken genug, welche durch künstliche Mittel ihr Haar 
in die widernatürlichsten Lagen zu bringen verstanden. Eine der gewöhn- 
lichsten dieser Moden war die, das gekräuselte llaar stufenförmig anzu- 
ordnen (coma in gradus fomata), wie dieselbe z. B. durch den zu Ve- 
nedig befindlichen Kopf des M. Antonius uns veranschaulicht wird. Das 
Haar aber mit Goldstaub zu bestreuen, um demselben einen strahlenden 
Glanz zu geben, wie unter anderm solches vom Kaiser Gallienus erzählt 
wird, mag freilich wohl nur ausnahmsweise vorgekommen sein. Ein bei 
Männern wie bei Frauen zu Anfang der Kaiserzeit allgemeiner Gebrauch 
war das Tragen künstlicher Haartouren (capillamentum), hier zur Be- 
deckung des kahlen Kopfes angewendet, dort um den schon vorhandenen 
Haarwuchs buschiger erscheinen zu lassen. Manche freilich verschmähten, 
wenn Wir anders das nachstehende Epigramm Martiafs (VI, 57) nicht für 
eine Uebertreibung halten wollen: 
Phoebus, du lügest geschickt mit Salben das falsche Gelocke, 
Und das bemalete Haar deckel: den glatzigen Kopff 
Niemals thut es dir noth, dein Haupt zu vertrauen dem Scheerer: 
Besser vermäg dich traun, Phoebus, zu scheeren  der Schwamm. 
diese Perrücken und suchten durch Bemalung der Glatze wenigstens in 
der Entfernung den Schein eines natürlichen, kurz an der Wurzel abge- 
schnittenen Plaarwuchses hervorzuhringen. Denn dafs an dieser Stelle 
nicht, wie Krause (Plotina, S. 195) meint, von einer Pomadisirung des 
falschen Haares die Rede sein kann, ergeben die Worte des Dichters ganz 
deutlich.  Der volle Bart kam, wie es scheint, zur Zeit des Hadrian
        

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