Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727904
zielung einer satteren und lebhafteren Farbe der Stoff zweimal gefärbt 
(bis tinctus, dißarpog), zuerst in dem noch nicht völlig ausgekochten 
Purpursaft, sodann aber, nachdem er hinreichend durchtränkt war, in 
Buceinsaft, so erhielt das Zeug eine dem geronnenen Blute ähnliche Farbe, 
die gerade angesehen einen schwärzlichen, hoch gehalten oder von unten 
betrachtet einen hellen Glanz zeigte. Diese doppelt gefärbten Purpur- 
gewänder, welche die tyrisehen und lakonisehen Färbereien vorzugsweise 
schön lieferten, wurden mit den höchsten Preisen bezahlt, indem das Pfund 
der doppelt gefärbten tyrischen Wolle auf lOOO Sestertien zu stehen kam, 
während von der mit dem eben erwähnten violetten Amethyst-Purpur 
gefärbten Wolle das Pfund nur mit 100 Denaren bezahlt wurde.  An- 
fänglich nun beschränkte sich die Färbung mit ächtem Purpur (blatta) 
nur auf jene bald schmaleren, bald breiteren Streifen, mit denen die Toga 
und die Tunica der Senatoren, Magistrate und Ritter besetzt waren (vgl. 
S. 574 u. 578: toga praeteasta und latus clavzes), und wenn Privatpersonen 
sieh purpurner Verbrämungen an ihren Kleidern bedienten, wurde dazu nur 
der uniichte Purpur verwendet. Blieb nun auch diese Verbrämung der 
weifsen Gewänder durch Streifen ächten Purpurs als Amtstracht bestehen, 
so griff doch zu Ende der Republik unter den Männern die Mode mehr 
und mehr um sich, ganz purpurne Gewänder zu tragen, und kein Verbot 
vermochte dieser Verschwendung Einhalt zu thun. Julius Caesar trug zuerst 
als ausschliefsliche Auszeichnung der höchsten Würde die Purpurtoga und 
beschränkte den Gebrauch des Purpurs durch ein Luxusgesetz; ingleichen 
gestattete Augustus solche Toga nur denjenigen Senatoren, Welche ein 
Staatsamt bekleidet hatten. Wie aber alle derartigen Luxusgesetze selten 
nachhaltig wirken, kamen die kaiserlichen Verbote gegen das Tragen der 
Purpurstolfe bald in Vergessenheit. Tiberius bediente sich, um dem Luxus 
zu steuern, bekanntlich der List, dal's er sich, als es während eines öffent- 
lichen Schauspiels zu regnen begann, einen dunklen Mantel bringen liefs. 
Aehnliche Verbote wurden später noch mehrere erlassen. Der Gebrauch 
des ächten Purpurs zur Toga wurde ein aussehliefsliehes Recht des Kai- 
sers, und harte Strafen wurden sogar gegen Frauen, welche sich in ächtem 
Purpur kleideten, sowie gegen diejenigen Kaufleute, welche mit dieser 
Waare handelten, verhängt. Nur das Tragen der geringeren Qualität des 
Purpurs war den Bürgern gestattet. 
Dafs die Stoffe, nachdem sie vom Webstuhl gekommen waren, 
gröfstentheils wenigstens erst mit der Scheere und Nadel zu Kleidungs- 
stücken verarbeitet wurden, nicht aber, wie die meisten der griechischen 
Gewänder, ungenäht angelegt wurden, lehrt ein Blick auf den Schnitt
        

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