Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727893
Die Tracht. 
Farbe der 
Gewänder. 
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Wählen wir zu unserer Betrachtung unter anderen das unter Fig. 470 
dargestellte. Der Schleier der Mutter ist blau, die Stola durchsichtig 
weil's, so dal's die Fleischfarbe des Busens hindurchschiminert, die Palla 
rosaweifs und unten mit einer auch in der Zeichnung angedeuteten Kante 
von blauer Farbe verziert. Ebenfalls rosaweils ist die Stola der zur Seite 
der Mutter stehenden Tochter, während ihre Palla von gelber Farbe mit 
einer bläulichweilsen Einfassung ist. Die gelbe Farbe war, wie Plinius 
berichtet, schon seit alten Zeiten bei den Frauen allgemein beliebt und 
kam namentlich bei den Hochzeitsschleiern in Anwendung. Die Braut 
trägt eine rosaviolette Stola, unten mit einer dunkleren, reich gestickten 
Falbel (instiita) geschmückt; ihre Palla ist hellblau. Die Dienerin endlich 
ist mit einem weilsen Untergewande und einem blauen Obergewande be- 
kleidet. Nicht selten zeigt es sich auch, dal's auf WVandgemälden die Farbe 
der inneren Seite der Gewänder sich wesentlich von der der äußeren 
unterscheidet; so z. B. ist auf dem den Perseus mit der Andromeda dar- 
stellenden Gemälde (Zahn, die schönsten Ornamente etc. 3. Folge. Taf. 24) 
das Gewand des Perseus aufsen röthlichbraun, im Innern aber weifs, das 
der Andromeda aufsen gelb, innen hingegen blau. Ob wir dabei an ein 
Füttern der Kleider mit einem anderen und anders gefärbten Stoll, wie 
solches ja auch bei unseren Frauengewändern zu geschehen pflegt, zu 
denken haben, müssen wir freilich dahingestellt sein lassen. 
Eine besondere Beachtung verdienen aber die bei den Römern so 
vielfach erwähnten Purpurgewänder aus Wolle und Seide, welche stets 
im Rohstoif gefärbt wurden. Zwei Schneckengattungen, die Trompeten- 
schnecke (buccinum, wmrew) und die eigentliche Purpurschnecke (purpura, 
pelagia), deren ursprünglich gelblichweifser Saft sich aber durch die Ein- 
wirkung der Sonne und unter Mitwirkung von Feuchtigkeit in ein schönes 
Violett verwandelt, wurden zur Purpurfärberei benutzt. In der Regel 
kam der ins Scharlachroth spielende Buccinsalt nur in einer Mischung 
mit dem eigentlichen Purpur in Anwendung, indem, hätte man mit ihm 
allein färben wollen, die Farbe schnell verblichen wäre. Der eigentliche 
Purpursaft hatte hingegen zwei natürliche Hauptfarben, eine schwärzliche 
und eine rothe, welche entweder rein oder durch andere Substanzen ver- 
dünnt zum Färben gebraucht wurden. Durch diese Mischung, sowie durch 
ein mehrmaliges Eintauchen in die Farbe verstanden die Alten die ver- 
schiedensten Schattirungen und Nuancen hervorzubringen, deren Zahl auf 
dreizehn angegeben wird. Mischte man den schwärzlichen Purpursaft mit 
dem Buccin, so entstand die allgemein beliebte Amcthyst-Violett- und 
Hyacinth-Purpurfarbe (iicmthinuwt, violacezwn). Wurde hingegen zur Er-
        

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