Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727887
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Die Tracht. 
Die Stoffe. 
Farbe der Gewänder. 
liche Gestalt gerichtet ist. Die Stola dieser zweiten Tochter trägt unten die 
oben erwähnte breite Instita; die offenen Aermel dieses Gewandes oder die der 
unteren Tuniea sind längs des Oberarms aufgeschlitzt und ihre Ränder durch 
Knöpfe mit einander vereinigt. Darüber hat sie eine leichte Palla togaartig 
umgesehlungen. Eine hinter ihr stehende Dienerin, mit einer die Arme bis 
zum Handgelenk deckenden Aermelstola und der Palla bekleidet, legt eben 
die letzte ordnende Hand an den Haarputz der jugendlichen Braut. 
Was die Stoffe betrifft, aus denen die Gewänder angefertigt wurden, 
so beschränkten sich dieselben bis zur Kaiserzeit auf Wolle (Zanea) und 
Leinewand (lintea). Zur Toga wurde stets Wolle benutzt; unter der in- 
ländischen behauptete die aus Apulien und Tarent, von der ausländischen 
die aus Samos und Lakonien den Vorrang, während man bei der Leine- 
wand, aus welcher hauptsächlich die Unterkleidcr der Frauen angefertigt 
wurden, der spanischen und ägyptischen den Vorzug vor der italischen 
gab. Beide Stoffe, vorzugsweise aber die Wolle, wurden bald zu dichteren, 
für den Winter bestimmten, bald zu leichten Sommergewändern verarbeitet. 
Seidene Kleider, nämlich ganzseidene (holoserica) und halbseidene (sub- 
serica), begannen die Frauen bereits zu Ende der Republik zu tragen, 
und zur Kaiserzeit wurden, trotz der von Titus erlassenen Verbote, die- 
selben sogar bei den Männern gebräuchlich. Ueber die Art, wie die rohe 
Seide von Asien nach Griechenland und von dort nach Italien in den 
Handel kam, haben wir bereits oben (S. 187) das Nöthige beigebracht. 
Hier fügen wir nur noch hinzu, dal's jene feinen, durchsichtigen Schleier 
von meergrüner Farbe, wie sie vorzugsweise auf der Insel Kos angefertigt 
wurden, mehrfach auf Wandgemälden vorkommen (vergl. Museo Borbon. 
Vol. VIII. Tav. 5. III, 36. VII, 20). 
Die für die Gewänder übliche Farbe war in der älteren Zeit die 
Weiße, bei der Toga sogar die gesetzlich vorgeschriebene, und nur die 
ärmeren Volksclassen, Sklaven und Freigelassene bedienten sich der bräun- 
lichen oder schwarzen und wenig schmutzenden Naturellwolle für ihre 
Kleidung, jedesfalls aus derselben ökonomischen Rücksicht, wie heutzutage. 
Nur während der Trauer oder im Anklagezustand legten auch die höheren 
Classen dunkelfarbige "Gewänder an (toga pulla, sordida). In der Kaiser- 
zeit jedoch, in der man, wie wir gesehen haben, sich mehr und mehr 
von den alten Sitten trennte und selbst die Toga den leichteren Umhängen 
Platz machte, kamen auch bei den Männern buntfarbige, namentlich schar- 
lachene, violette und purpurgefärbte Kleider auf, wie solche früher nur 
von den Frauen getragen worden waren. Diese bunten Farben der Ge- 
wänder zu beobachten bieten uns die Wandgemälde die beste Gelegenheit.
        

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