Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722452
war dargestellt sitzend auf einem Throne, der als ein kunstvoller Bau 
aus Cedernholz geschildert wird, mit Ebenholz ausgelegt und mit edlen 
Steinen und Sculpturen reichlich verziert. Ebenso reich war die Basis ge- 
schmückt. Dem entsprach die Herstellung der Figur selber. Das Antlitz, 
die Brust und der entblöfste Theil des Oberleibes, sowie die Füfse waren 
aus Elfenbein gebildet, die Augen vielleicht mit leuchtenden Steinen ein- 
gesetzt. Die Locken des Haupt- und Barthaares waren aus gediegenem 
Golde; ebenso die Statue der Nike, die der Gott auf der ausgestreckten 
Rechten hielt, während der in der anderen Hand ruhende Scepter aus 
einer Verbindung der verschiedenen edlen Metalle bestand. Das Gewand, 
das den Unterkörper umhüllte, war ebenfalls aus Gold und mit Blumen 
bedeckt, deren Herstellung man sich als eine Art Schmelzarbeit zu denken 
hat. Aber aller dieser Reichthum an kostbarsten Materialien wurde durch 
die Macht und Gröfse der göttlichen Gestalt selbst übertroifen, in welcher 
Phidias den Gott verkörperte, wie er nach jenen schönen Versen Homers 
ll. "l, 528: 
Also sprach und winkte mit schwärzlichen Brauen Kronion, 
Und die ambrosiscben Locken des Königs wallten ihm vorwärts 
Von dem unsterblichen Haupt; es erbebten die Hölfn des Olympos 
in dem Bewufstsein jedes Griechen lebte. Man glaubte ihn selbst zu er- 
blicken, mächtig und erhaben, und doch zugleich milde und gewährend 
dem Beschauer zugeneigt, vielleicht die vollkommenste Erscheinung der 
Gottheit, die dem Griechen fafsbar und begreiflich war und deshalb das 
Ziel der Sehnsucht jedes Einzelnen, so dafs den olympischen Zeus nicht 
erschaut zu haben, als ein Unheil betrachtet wurde. 
Die Statue hatte eine Höhe von 4-0 Fufs und scheint im Verhältnifs 
zu der umgebenden Architektur fast zu kolossal gewesen zu sein, indem 
schon die Griechen selbst bemerkten, dal's wenn sich der Gott erhöhe, er 
das über ihm befindliche Dach zertrümmern würde. Zu den beiden Seiten 
des für die Statue bestimmten Raumes befanden sich die Treppen, die zu 
der oberen Gallerie emporführten; wahrscheinlich waren diese den Be- 
schauern zugänglich, um die genauere Betrachtung der Statue und aller 
einzelnen Verzierungen zu erleichtern. Vor der ersteren hat man ein Stück 
Fufsboden mit schwarzem Marmorpflaster entdeckt, welches ebenfalls in 
auffallender Weise mit einer Bemerkung des Pausanias übereinstimmt. 
Nach derselben soll nämlich der Fufsboden unmittelbar vor der Statue nicht 
mit weifsen Steinen, sondern mit schwarzem Marmor gepflastert und mit 
einer Brüstung von weifsem parischen Marmor eingefafst gewesen sein. Dort- 
hinein aber habe man Oel gegossen, welches bei der natürlichen Feuchtig-
        

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