Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727729
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Die Mosaik. 
welchen man geometrische Formen und mannichfache Muster herzustellen 
versuchte. Ebenso aber, wie man bei der Wandmalerei die durch Linien 
und Verzierungen gleichsam eingerahmten Felder mit Gemälden zu schmücken 
pflegte, übertrug man ein gleiches Verfahren auch auf den Fufsboden. Die 
durch die geometrisch componirten Streifen gebildeten Felder wurden mit 
aus Steinstiften hergestellten Bildern ausgefüllt, so dal's die dunklen Streifen 
also gleichsam die Rahmen für die Darstellungen abgaben. Man war mit- 
hin dadurch in den Stand gesetzt, bald gröfsere, den ganzen Fufsboden 
einnehmende Bilder, bald mehrere kleinere Medaillons herzustellen. Diese 
schon in ihrer Ausführung, geschweige denn in ihrer Composition eine oft 
mehr als handwerksmäfsige Kunstfertigkeit voraussetzende_ Arbeit erhielt 
nun vorzugsweise den Namen der Mosaik (pavzimentuvn musivum). Die 
Manipulation bei der Anlegung der Mosaik war folgende. Der zur Auf- 
nahme derselben bestimmte Grund wurde fest gestampft oder mit einer 
Unterlage von Steinplatten belegt und auf diese ein langsam trocknender, 
festbindender Kitt aufgetragen, in welchen die erwähnten buntfarbigen, 
vierkantigen Stifte nach einem vorgezeichneten Muster eingelassen wurden. 
Sobald die Bindemasse getrocknet war, wurde die Oberfläche geglättet; 
es bildete somit das Estrich eine compacte, dem Eindringen des Staubes 
und der Feuchtigkeit gleich unzugängliche Masse. 
Ebenso aber, wie die Bemalung der Wände als unerläfslich für die 
Wohnung galt, gehörte auch ein künstlich angelegter Fufsboden zur noth- 
wendigen Vervollständigung des Zimmerschmuckes. Während indefs die 
Mauern mit ihrem Bilderschmuek im Laufe der Zeiten zusammengestürzt 
sind, schützten die auf dem schwer zu zerstörenden Fufsboden sich häu- 
fenden Schuttmassen denselben vor der Zerstörung, und so kommt es, 
dafs so häufig bei Ausgrabungen römischer Tempel, Bäder und Wohn- 
häuser nach Hinwegräumung des Schuttes ein noch verhältnifsmäfsig wohl- 
erhaltener Mosaikboden freigelegt wird. Hier treffen wir, je nach den 
Mitteln oder dem Geschmacke des einstigen Besitzers oder je nach der 
Geschicklichkeit der Mosaikarbeiter, die mannigfachsten Proben römischer 
Mosaik, von der rohesten bis zur vollendetsten Arbeit an. Ueberreste 
griechischer Mosaik im eigentlichen Griechenland hingegen besitzen wir 
keine, mit Ausnahme etwa des von den farbigen Steinen aus dem Flufs- 
bette des Alpheios hergestellten und ziemlich roh gearbeiteten Fufsbodens 
im Pronaos und Peristyl des Zeustempels zu Olympia (vgl. ä 11); möglich, 
dafs spätere Ausgrabungen noch besser erhaltene und besser gearbeitete 
Mosaiken zu Tage fördern. 
Was nun die Darstellungen betrifft, so finden wir, aufser den meisten-
        

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