Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727715
Die Wandmalerei. 
Die Mosaik. 
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der steinartigen Verhärtung der Wand mithin eine Unzerstörbarkeit des auf 
ihr fixirten Bildes statt; bei der a tempera Malerei hingegen erhielten die 
Farben einen Zusatz von Leim als Bindesuhstanz und wurden auf die 
trockene Fläche aufgetragen. Letztere Art der Malerei zeigt sich deutlich 
bei einigen pompejanischcn Wandgemälden durch das Abblättern der Farbe. 
Die enkaustische Malerei, bei der die mit Wachs oder Harz versetzten 
Farben aufgesetzt und mittelst glühender Eisen eingebrannt wurden, ist 
wohl nur für Tafel- und Stalfeleigemälde, nicht aber für die Wandge- 
mälde in Anwendung gebracht worden. Solche mit Harz präparirte Far- 
ben fand man unter anderen in dem einem Farbenhändler angehörigen 
Laden in der Casa del Arciduca zu Pompeji. Zur Conservirung der 
Bilder, namentlich derjenigen, welche in offenen Hallen den Einflüssen der 
Luft ausgesetzt waren, wurden dieselben mit einem Harz- oder Wachs- 
{irnifs überzogen, welcher also damals die Stelle des Oelfirnisses unserer 
Maler vertrat. 
94. Von den Wandgemälden senkt sich unser Blick zu dem glatten 
Fufsboden, über welchen wir hinwegschreiten. Wie hätte wohl bei der 
künstlerischen Ausstattung der Wände und der Zimmcrdecke, bei der Ele- 
ganz, welche sich bis auf das kleinste Geräth erstreckte, die Anlage des 
Fufsbodens hinter der übrigen Einrichtung zurückstehen können? In älterer 
Zeit aus fest gestampftem und mit Schlägeln geebuetem Lehm gebildet, 
dem zur Erreichung einer grölseren Festigkeit Scherben beigemischt wurden 
(pavimentzem testaceunz), genügte dieses Estrich nicht mehr den gestei- 
gerten Ansprüchen einer späteren Zeit. Man begann den Boden mit Stein- 
platten von weifsem oder farbigem Marmor zu belegen, verschiedene Mar- 
morarten für einen und denselben Fußboden zu verwenden, und indem 
man die Platten bald in längere, bald in schmalere Streifen zerschnitt und 
diese zu geometrischen Figuren zusammensetzte (pavimentum scctile), war 
der erste Schritt zu einer mehr künstlerischen Behandlung des Fufsbodens 
gegeben. Schon vor dem cimbrischen Kriege war diese Art des Pavimen- 
tum in Italien sehr verbreitet und allgemein beliebt; das erste wahrschein- 
lich in größerem Mafsstabe angelegte Estrich wurde aber, wie Plinius (nat. 
1115i. XXXVI, 25, 61) berichtet, nach dem Beginn des dritten punischen 
Krieges im Tempel des capitolinischen Jupiter angebracht. Aus diesem 
pavimentum scctile entstand das pavimentunz tesselatzcan, die eigentliche 
Mosaikarbeit, indem man anstatt der gröfseren Steintafeln kleiner, bunt- 
farbiger Stifte aus Marmor, untermischt mit anderen kostbareren Stein- 
arten, z. B. Achat und Onyx, sowie mit Glasstiftcn, sich bediente, aus
        

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