Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727699
mentlich aber die Mängel in der Perspective, gern übersehen. Ein grofser 
Theil dieser Wandgemälde ist gegenwärtig ausgesagt und zur besseren 
Conservirung der Farben in dem Königl. Museum zu Neapel untergebracht 
worden. Andere hingegen sind in den unbedeckten Häusern Pompejis 
bereits durch die Einwirkung des Lichts und der Witterung verblafst oder 
verwischt. Die besseren dieser Wandgemälde sind uns aber durch treff- 
liche Copien, welche an Ort und Stelle von Künstlern aufgenommen wurden, 
in ihrer ursprünglichen Farbenpracht wiedergegeben, und verweisen wir 
auf die bis jetzt in ihrer Ausführung noch unübertroffenen Publicationen 
Zahn'sl und Ternite's2. Die gröfste Auswahl, freilich uneolorirter und mit- 
unter wohl etwas flüchtig gezeichneter Copien bietet jedoch das mit dem 
fünfzehnten Bande abgeschlossene Museo Borbonico.  
Zum Schlufs unserer Betrachtungen über die Decorationsmalerei fügen 
wir noch einige Worte über die bei derselben beobachtete Malertechnik 
hinzu. Ueber die Entwickelung der Malerei überhaupt sind uns so manche 
wichtige Zeugnisse aus den alten Autoren aufbewahrt. Wir finden darin 
einen stufenmäfsigen Fortschritt von den ersten Versuchen an, welche zu 
Korinth und Sikyon mit der Zeichnung von Figuren in Schattenrifs (linea- 
wfs pictu-ra) angestellt wurden, zur monochromen Ausmalung dieser Um- 
risse. Ganz analog jenem in ä 37 beschriebenen Entwickelungsgange auf 
dem Gebiete der Vasenmalerei, begann man darauf durch Einzeichnung 
dunklerer Linien, behufs der Darstellung von Körpcrtheilen und Falten- 
wurf, die Figuren perspectivisch aufzufassen und ihnen Leben einzuhauchen, 
bis endlich zur Zeit des Polygnot durch Anwendung von vier Farben, 
nämlich der weilsen Erde von Melos, der rothen von Sinope, des gelben 
Ochers von Attika und der schwarzen Farbe, die monochrome Malerei 
gänzlich verdrängt wurde. In der Anwendung dieser vier Farben und 
der mannigfachen Mischung derselben lagen auch bereits die Grundbedin- 
gungen für die Hcrvorbringung von Licht- und Schattentönen in der Dar- 
stellung, deren Erfindung dem Apollodoros aus Athen, Zeuxis und Par- 
rhasios, dem Gründer der ionischen Schule, zugeschrieben wurde. Die 
höchste Stufe der Kunst betrat indefs die sikyonische Malerschule, welche, 
von Eupompos gestiftet, in den Leistungen eines Apelles ihren Glanzpunkt 
erreichte. Leider besitzen wir von den zahlreichen Leistungen griechischer 
Künstler keine Proben. Die Staffeleibilder der vorzüglichsten griechischen 
Meister gingen theils bei den Plünderungen Griechenlands zu Grunde, theils 
1 W. Zahn, Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, 
Herculanum und Stabiae. 1-3. Folge. Berlin 1827-59. 
 7 'l'ernite, Wandgemälde aus Pompeji und Herculanum. 11 Lieii. Berlin 1839 H. 
36'"
        

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