Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727641
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Die 
Wandmalerei. 
den Klagen Vitruvs in Bezug auf die Verirrungen des Geschmackes seiner 
Zeit, von dem er unstreitig die ausgesuchtesten Proben in den Häusern 
reicher Emporkömmlinge zu Rom täglich vor Augen hatte, Gerechtigkeit 
wiederfahren lassen, so müssen wir doch gestehen, dal's überall da, WO 
in diesen phantastischen Verzierungen, ja selbst in jenen bizarren, oft 
allen Regeln der Kunst spottenden architektonischen Compositionen, die 
richtige Harmonie innegehalten ist, der Totaleindruck ein überaus günstiger 
ist; jedesfalls aber verrathen diese Bilder in der Keckheit und Sicherheit 
ihrer Zeichnung überall eine tüchtige Schule. Gerade dieser Mannigfaltig- 
keit und Genialität der Zeichnung, sowie der harmonischen Zusammen- 
stellung der Farben ist es wohl zuzuschreiben, wenn gegenwärtig die 
Details antiker Wanddecorationen bei uns wieder zur Geltung kommen 
und den für den besseren Geschmack so verderblichen Einilufs des 
Roccocostyls zu brechen drohen. 
Inwieweit die erhaltenen Wandmalereien Copien oder eigene Erfin- 
dungen gewesen sind, können wir nicht bestimmen; bei einigen wenigen, 
wie bei vier erhaltenen herculanischen Monochromen, hat der Künstler, 
Alexandros von Athen, seinen Namen beigefügt, bei allen anderen hingegen 
fehlt dieser Anhalt. Der Umstand aber, dafs unter den zahlreichen, zweien 
so benachbarten Städten angehörenden Wandgemälden, trotz der wieder- 
holt vorkommenden Behandlung eines und desselben Gegenstandes aus 
der Mythologie und der Heroönsage, sich bis jetzt noch nicht zwei völlig 
mit einander übereinstimmende Compositionen gefunden haben, führt zu 
dem Schlufs, dal's ein Copiren bekannter und beliebter Meisterwerke zwar 
in einzelnen Fällen wohl stattgefunden haben mag, die Decorationsmaler 
aber meistentheils aus solchen schon vorhandenen Originalen nur einzelne 
Motive für ihre Darstellungen entlehnten und im Uebrigcn durchaus selbst- 
schaffend aufgetreten sind. Die häufige Wiederkehr gewisser Motive gerade 
in den besseren Compositionen scheint aber wiederum darauf hinzudeuten, 
dal's auch unter den Decorationsmalern sich Malerschulen, von tüchtigen 
Künstlern ausgehend, gebildet hatten, welche sich durch die Behandlung 
des Colorits und der Zeichnung, sowie durch eine fast stereotype Wieder- 
holung einzelner Figuren kennzeichnen. 
Alle vier Genres der Wandmalerei, deren Vitruv gedenkt, nämlich: 
architektonische Ansichten, Bühnendarstellungen, landschaftliche Ansichten, 
verbunden mit Scenen aus dem Alttagsleben und dem Stillehen, mit 
welchen, wie Plinius sagt, der Maler Ludius zur Zeit des Augustus zuerst 
die Wände der Privathäuser zu schmücken begonnen habe, endlich Dar- 
stellungen aus dem Sagenkreise, finden wir in den Wandgemiilden von
        

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