Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727612
Ahnenbilder. 
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der Kinderschaar und den Dienerinnen, mit kunstgcübter Hand das Schiff- 
lein durch die Fäden des aufgestellten Webestuhles gleiten. Doch ver- 
schwunden war dieses schöne Bild stiller Häuslichkeit in späterer Zeit, 
die Familienbande waren gelockert und mit ihnen die ehrwürdige Zucht; 
der Verfall der Sitten hatte auch diesem Gemache einen veränderten Cha- 
rakter gegeben. Wohl spiegelt sich noch der Heerd in den von einer 
Fontaine bewegten Wellen des Wasserbassins, aber die mit köstlichen 
Hölzern genährte Flamme beleuchtet nicht mehr die ehrwürdigen Haus- 
götter; nur die Tradition der guten alten Zeit ist es, die den Altar noch 
in diesen Räumen duldet. Doch noch ein anderer Schmuck spricht mah- 
nend zu uns von der Zeit ehrwürdigen Familienlebens. Es sind dies die 
Ahnenbilder (ivnagines maiorzun), die rings an den Wänden aus den ge- 
öffneten Wandschränken (armaria) zu uns herabblicken. Ein tiefer Sinn 
lag in der That in dieser alten Sitte, die Ahncnbilder gerade in diesen 
Räumen aufzustellen, den Mittelpunkt des Hauses auch zum Ahnensaal 
zu machen und schon die Jugend durch stetes Anschauen der Züge ihrer 
Vorfahren, welche einst die Steine zum Aufbau der Macht des Vaterlan- 
des herbeigctragen hatten, zur Nacheiferung aufzumuntern. In den Atrien 
der alten edlen Geschlechter waren diese über dem Gesicht des Verstor- 
benen geformten Masken von Wachs (cerae); unter ihnen angebrachte In- 
schriften (titulus, elogiwiz) verkündeten die Namen, Würden und Thaten 
des Verstorbenen. vAndeutungen ülicr den Stammbaum zogen sich aberß 
wie Plinius (nat. bist. XXXV, 2) berichtet, v in Linien zu den Bildern hin, 
und die Familicnarchive füllten sich mit Schriften und Denkmälern der 
während ihrer Aemter von ihnen ausgeführten Thaten. Aufserhalb und 
in der Nähe der Thüren befanden sich Darstellungen ihres hohen Muthes, 
daneben waren die dem Feinde abgenommenen Waffen angenagelt, die 
selbst der spätere Käufer des Hauses nicht entfernen durfte, und so trium- 
phirten die Häuser noch, wenn sie auch längst schon ihre Besitzer ge- 
wechselt hattenß Diese alte Sitte freilich verschwand, als Parvenus in 
die Hallen altberühmter Geschlechter eingezogen waren oder sich mit ihrem 
Golde Atrien erbauen liefsen, in denen erborgte Ahnenbilder aus Marmor 
und Erz aus ihren Nischen auf den eitlen Besitzer herabschauten. Gab 
es doch damals schon hungrige Gelehrte genug, welche gegen gute Be- 
Zahlung Stammbäume anfertigten, deren Anfänge mindestens bis in die 
Zeit des Aeneas hinaufreichten. Ueberhaupt scheint die Sucht, sich mit 
Portraitstatuen zu umgeben, ziemlich allgemein gewesen zu sein, und 
Pliilius erzählt in seiner sarkastischen Weise, welche er jedesmal annimmt, 
sobald es sich um eine Vergleichung der Sitten seiner Zeit mit den frü-
        

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