Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722434
Hypaethros. 
Tempel des Z( 
Olympia. 
lS Zll 
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tigen durch den Ernst und die edle Einfachheit des frühdorischen Styls 
ausgezeichneten Ueberresten ragt namentlich ein Tempel hervor, den man 
seiner Gröfsc wegen als den Haupttempel der Stadt betrachtet und deshalb 
auch dem Schutzgott derselben Poseidon gewidmet glaubt. Dieser Bau 
besteht aus einem Peripteros mit sechs Säulen in den Fronten und vier- 
zehn Säulen auf den Langseiten; die von Umgängen umgebene Cella hat 
auf der Vorder- und Hinterseite zwei Säulen in antis. Durch den Pronaos 
tritt man in die (lella, an deren beiden Seiten sich die doppelten Säulen- 
gänge erheben, wie sie aus der Beschreibung Vitruv's hervorgehen. An 
der Hinterwand der Cella befinden sich die noch deutlich erkennbaren und 
beuutzbaren Treppen, die zu der oberen Gallerie emporführcn und zwischen 
denen eine Thür in den Opisthodom führt. Fig. 27 stellt das Innere des 
Tempels in seinem gegenwärtigen Zustande dar. 
Schliefslich erwähnen wir hier des Zeustempels zu Olympia. Unter 
den Ruinen dieses heiligen Ortes, die in der schönen Ebene des Alpheios 
zerstreut, Kunde von jenem glänzenden Mittelpunkte griechischen Volks- 
lehens geben, hatte man schon seit längerer Zeit einige-Ueberreste bemerkt, 
die sich durch besseres Material von den übrigen, meist aus Backstein 
bestehenden Trümmern unterschieden. Eine französische Expedition, welcher 
die wissenschaftliche Erforschung und Beschreibung der Peloponnesos zur 
Aufgabe gemacht war, stellte hier genauere Nachforschungen an und diese 
ergaben, dal's in jenen Trümmern wirklich die Ueberreste des einst so hoch 
gefeierten Tempels des olympischen Zeus erhalten seien, und dafs es trotz 
des traurigen und mangelhaften Zustandes derselben möglich sei, daraus 
eine wenigstens in der Hauptsache genügende Anschauung des Heiligthtims 
zu gewinnen, das einst das erhabenste Bild des Vaters der Götter und 
Menschen umschlofs und den Stolz und die Freude des gesammten 
Grieehenvolkes ausmachte. Wie sich nun hier gleichsam im Angesichte 
des Gottes die Griechen in regelmiifsiger Wiederkehr zusammenfanden, um 
der heiligen Festfeier und den zu Ehren des Gottes veranstalteten Spielen 
beizuwohnen, und wie sich in diesen letzteren die Blüthe der griechischen 
Jugend in vollster Schönheit, Kraft und Gewandtheit entfaltete, darf wohl 
als bekannt vorausgesetzt werden; weiter unten werden wir auf die Schil- 
derung jener Kampfspiele zurückkommen. Wir verweilen hier nur bei 
dem Tempel, der an künstlerischer Vollendung wohl nur von dem Par- 
thenon übertroffen wurde, wie er auch in der Statue des Gottes von 
Phidias das einzige Bildwerk umschlofs, das den Ruhm der Athene Par- 
thenos zu erreichen -und in mancher Beziehung vielleicht noch zu über- 
treffen im Stande war.
        

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