Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727533
der grofsen Menge, in der sie aufgefunden werden, als auch wegen der 
Mannigfaltigkeit ihrer Formen, vorzugsweise die aus Bronze verfertigten, 
unsere Aufmerksamkeit in hohem Grade in Anspruch. Die Lampe war 
ein für den Reichen, wie für den Armen gleich unentbehrliches Geräth. 
Daher bildete ihre Anfertigung jedesfalls einen ausgebreiteten Fabrikzweig 
und Handelsartikel; und so sehen wir, dafs an allen Orten, an denen 
Niederlassungen gegründet waren, sich Töpferwerkstätten etablirt hatten, 
um die Bewohner nicht nur mit dem für den häuslichen Gebrauch unent- 
behrlichen Topfgeschirr, sondern auch mit den für den Haushalt noth- 
wendigen Lampen zu versorgen; möglich freilich, dafs kunstreicher ge- 
formte Arbeiten durch den Handel oder die Modelle zu denselben aus den 
gröfseren Städten in die kleineren Niederlassungen, ähnlich wie bei uns, 
ihre Verbreitung fanden. Hatten in älteren Zeiten, neben den von den 
Griechen her uns schon bekannten Wachs- und Talgkerzen (canclelae ce- 
reae, sebaceae), Kienspiine zur Beleuchtung der Zimmer gedient (g 40), 
so wurde der Gebrauch derselben wohl aus dem Grunde durch die spä- 
tere Erfindung der Oellampe (lucema) in den Hintergrund gedrängt, weil 
man es noch nicht verstand, die Kerzen in Formen zu giefsen und sich 
nur darauf beschränken mufste, den aus dem Mark der Binse (sceirpus) 
oder aus Werg (stuppa) geformten Docht in die flüssige Wachs- oder 
Talgmasse einzutauchen und zu trocknen. Freilich stand die Erleuchtung 
durch Oellampen, trotz der eleganten Formen, welche die Römer densel- 
ben, sowie den Lampcnträgern zu geben wufsten, keineswegs im Einklang 
mit der verschwenderischen Ausstattung der Räume, welche durch sie er- 
hellt werden sollten. Alle jene zahlreichen Versuche, welche die Neuzeit 
zur Verbesserung der Construction der Lampen, namentlich in Bezug auf 
den die Vcrzehrung des Rauches befördcrnden Glascylinder, angestellt hat, 
waren den Römern unbekannt,_ und auf die Wandgemälde sowohl, wie 
auf die Geräthschaften legte sich der Rufs der qualmenden Lampen, den 
erst die sorgsame Hand der Sklaven mit Schwämmen an jedem Morgen 
vertilgen mufste. 
Die Lampe bestand, ohne dafs das Material, aus welchem sie ange- 
fertigt war, darin mafsgebend gewesen wäre, aus dem eigentlichen bauchigen 
Oelbehälter (diesem, inftmdibulunz), bald kreisrund, bald elliptisch geformt, 
der Tülle (nasus), durch welche der Docht gezogen wurde, und der Hand- 
habe (avzsa). Die gebräuchlichsten Lampen waren aus Terracotta, bald von 
gelblicher, bald von braunrother oder hochrother Färbung und mitunter mit 
einer Glasur von Silicat überzogen. Ihre einfachste Gestalt lernen wir aus 
den unter Fig. 459 d, e, l, m gegebenen Beispielen kennen. Diese sämmt- 

        

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