Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727509
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Gefäfse. 
Weingefäfse. 
Keltern des Weins. 
bald ohne Griffe, bald mit zwei kleinen Henkeln versehen, erstere mit 
ltürbisförmigen, letztere mit schlankem, unten spitz zulaufendem Bauehe 
und ohne Fufs (vergl. F ig. 458), wurden sie, um ihnen einen festen Stand 
zu geben, entweder bis zur Hälfte in die Erde eingegraben oder, schräg 
an die Wand gelehnt, reihenweise neben einander aufgestellt. In letzterer 
Stellung wurde eine Anzahl dieser Gefäfse zu Pompeji im Hause des 
Diomedes aufgefunden. Die Betrachtung dieser Weingefäfse veranlafst uns 
aber, hier einige Worte über die Gewinnung des Weins bei den Römern 
einzufügen. 
Waren die Trauben am Stecke gereift, so wurden, nachdem man 
die zum Essen bestimmten von den zu kelternden gesondert hatte, letztere 
in Kufen gelegt und mit den Füfsen ausgeprefst. Da aber der Wein auf 
diese Weise nicht völlig ausgezogen werden konnte, so brachte man die 
Trauben noch einmal unter die Kalter. Der junge Wein wurde sodann auf 
(lolia oder grofse Weingefafse gefüllt und diese in den der Kühle wegen 
nach Norden gelegenen Weinkellern (cella vinaria) in die Erde eingelassen, 
und in diesen unversehlossenen Gefafsen hatte der Wein während eines 
Jahres den Gährungsprocefs durehzumachen. Entweder wurde nun nach 
Verlauf dieser Zeit der Wein genossen oder, sollte er durch längeres Liegen 
an Güte gewinnen, aus den Dolien auf die Amphoren und Cadi über- 
gefüllt (defundere). Diese Amphoren wurden, nachdem sie ausgepieht 
(daher vimmz picatunt), darauf mit See- oder Salzwasser gereinigt und 
endlich mit Rebenasehe abgerieben und mit Myrrhe geräuchert waren, ver- 
korkt und mit Pech oder Gyps versiegelt. Kleine Täfeleheil (tesse-rae, notae, 
pittiacia), welche man auf dem Bauche des Gefiifses befestigte, gaben in 
kurzen Worten den Namen des Weins und das Consulat, unter welchem 
der Wein in die Rauchkammer gebracht worden war, an. So befindet sich 
z; B. auf einer noch erhaltenen Amphora folgende Inschrift: RVBR. VET. 
V. P. CIl., rubrunz vetus vinum picatum CII, das heifst: alter gepichter 
Rothwein, von 102 Lagenen Inhalt. Die Amphoren wurden nun in das 
obere Stockwerk des Hauses gebracht, damit dort der Wein durch den von 
unten aufsteigenden Rauch milder werde. So u. a. bei Horaz (Od. III, 8, 9): 
Dieser Tag im kehrenden Jahr ein Festtag, 
Soll den Pechkork lösen vom W eingefäfse, 
Seit dem Consul Tullus bestimmt, den Rauch 
Lagers zu trinken. 
des 
Da aber bei diesem Verfahren der Wein viel Hefe ansetzte, so mufste er 
bei jedesmaligem Gebrauche durchseiht werden. Mehrere solcher Seihgefäfse 
(colum) von Metall hat man in Pompeji aufgefunden. Dieselben wurden
        

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