Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727442
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Gefzifse 
Gefifse aus Glas. 
welche vielleicht einst zu derjenigen Gattung von Glasgefafsen gehört haben 
mögen, die das Alterthum mit dem Namen der allassontes eersicoloree 
calices bezeichnete, finden sich hier und da vorl. Indem wir diese für 
den täglichen Gebrauch bestimmten Gefafse, bei welchen die Mannigfaltig- 
keit der Formen unsere Aufmerksamkeit vorzugsweise erregt, hier nur 
beiläufig erwähnt haben, dürfen wir aber eine Anzahl Gefafse nicht mit 
Stillschweigen übergehen, welche allein im Stande sind, uns einen Begriff 
von dem hoben Standpunkt der antiken Glasfabrikation zu geben. Zu- 
nächst erwähnen wir hier eines doppeltgehenkelten Kruges aus dunkel- 
blauem durchsichtigen Glase, welcher eine treifliche Reliefdarstellung aus 
einer undurchsichtigen weifsen Glasmasse trägt, die jedoch nicht aufgesetzt, 
sondern mit der Grundmasse völlig eins zu sein scheint. Dieses Gefaifs, 
unter dem Namen der Barberini- oder Portland -Vase bekannt, wurde im 
sechszehnten Jahrhundert in dem Sarkophage, welcher sich in dem soge- 
nannten Grabmale des Severus Alexander und seiner Mutter Iulia Mammaea 
befand, aufgefunden und ging aus dem Palaste Barberini, wo dasselbe 
mehrere Jahrhunderte hindurch aufbewahrt worden war, in den Besitz 
des Herzogs von Portland über, nach dessen Tode es dem britischen 
Museum einverleibt wurde. Glücklicherweise ist dieses Meisterstück antiken 
Kunstfleifses, nachdem es in neuerer Zeit durch die Hand eines Böswilligen 
zertrümmert war, zur Befriedigung wiederhergestellt worden. Nachbildungen 
in Porcellan und gebranntem Thon mit den Farben des Originals haben 
dies Gefäfs auch in weiteren Kreisen bekannt gemacht. Die mythologische 
Reliefdarstellung harrt aber noch einer befriedigenden Erklärung. Aehn- 
liche mit Reliefdarstellungen geschmückte Glasgefäfse finden sich mehrfach, 
wenige freilich noch wohlerhalten, die meisten in Fragmenten. So sah 
der Verfasser in der vormals l'lertz'schen Sammlung zu London eine kleine 
Glastafel von durchsichtigem smaragdgrünen Glase in Gestalt eines Schildes, 
in dessen Mitte sich der sehr ausdrucksvolle Kopf eines Kriegers von ver- 
goldetem undurchsichtigen Glasflufs, ähnlich dem Relief auf der Portland- 
Vase, befindet. DieseTafel soll aus Pompeji stammen. YVie weit jener 
von mehreren Schriftstellern gedachten Erzählung, dafs zur Zeit des Tibe- 
rius ein Glaskünstler eine biegsame und hämmerbare Glasmasse erfunden 
habe, Glauben zu schenken ist, müssen wir dahingestellt sein lassen.  
Nächst dieser Vase erwähnen wir einer kleinen Anzahl höchst merkwür- 
diger Trinkbecher, welche durch ihre ganz gleiche Construction auf einen 
1 Nicht zu verwechseln sind mit diesen die in Regenbogenfarben schillernden weifscn 
Gefäfse, deren Färbung nur den Einwirkungen der Feuchtigkeit und der Luft, nicht aber 
künstlichen Mitteln zuzuschreiben ist.
        

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