Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727415
gleichzeitig bei den Mahlzeiten zum Schöpfen der Brühen und Breispeisen, 
sowie zum Oelfnen der Eier, Austern und Schnecken gebraucht, woraus 
sich ihre in den Abbildungen deutlich zu erkennende zugespitzte Form 
erklären läfst. Zum WVasserschöpfen aus den Eimern, sowie zum Ueber- 
schöpfen von Brühen dienten die unter Fig. 451 e und d dargestellten 
Sehöpfkellen, denen sich die zum Ausschöpfen des Weins aus den tiefen 
Weingefzifsen bestimmte langgestielte trua oder trulla, der griechische 
Kyathos, anreiht (Fig. 451al2c, vergl. Fig. 301).  Andere Küchen- 
geräthe, wie Durchschläge (colum, Fig.451k) und Trichter (injänzdaibztlzzan) 
haben sich in mannigfachen Exemplaren in Pompeji vorgefundenl, und 
verweisen wir den Leser in Bezug auf die verschiedenartige Gestaltung 
dieser Geriithe auf die reichhaltigen im Museo Borbonico beigebrachten 
Darstellungen.  
Zum Auftragen der Fleisch- und Fischspeisen dienten bald gröfsere, 
bald kleinere flache Schüsseln (patina), mit wenig erhöhtem Rande. Meisten- 
theils wurden dieselben aus Thon hergestellt; bei Vornehmen jedoch bestan- 
den sie aus edlen Metallen und waren mit kunstreicher toreutischer Arbeit 
(argentum caelatzwn) geschmückt. Aber selbst in Patinen aus Thon ent- 
falteten die Römer einen fast unglaublichen Luxus, wenn wir anders dem 
Plinius Glauben schenken dürfen, der uns berichtet, "dal's der tragische 
Schauspieler Clodius Aesopus eine solche Schüssel besessen habe, welche 
100,000 Sestertien an Werth war, und in welcher er seinen Gästen lauter 
Singvögel auftischte, die durch Gesang oder durch Nachahmung der mensch- 
lichen Stimme bekannt sind und welche er einzeln zu G000 Sestertien 
znsammengckauft hatte, nicht sowohl durch eine besondere Leckerei dazu 
verleitet, als vielmehr, damit er auf diese Weise die Nachahmung der 
menschlichen Stimme verzehrte, ohne zu bedenken, dal's er seinen eigenen 
fetten Verdienst nur seiner Stimme zu verdanken hatte." Ingleichen liefs 
Vitellius eine solche Thonschüssel für den Preis von einer Million Sestertien 
anfertigen, für deren Herstellung ein eigener Brennofen auf freiem Felde 
angelegt werden mufste.  Zu den tellerförmigen, gleichfalls zum Auf- 
tragen der Speisen bestimmten Schüsseln gehörte auch die lanx, für deren 
Herstellung enorme Summen verschwendet wurden. So waren nach dem 
Zeugnifs des Plinius vor dem sullanisehen Kriege mehr als hundert und 
fünfzig Zances von je 100 Pfund Silber in Rom, und unter der Regierung 
des Claudius besafs dessen Sklave Drusillanus Rotundus eine 500 Pfund 
schwere Schüssel, seine Genossen aber deren acht von je 250 Pfund an 
Auch 
das 
Museum 
in 
Berlin 
besitzt eine 
Anzahl 
solcher 
Geräthc 
8118 
Bronze.
        

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