Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727381
Alle diese Gefafse werden wir mithin als nichtrömische nicht weiter in 
Betracht ziehen und haben wir es auch aus diesem Grunde vermieden, 
die Vasenbilder irgendwie für die Darstellung römischen Lebens zu be- 
nutzen. Bereits ist darauf hingewiesen worden, dal's die grofsen Töpfer- 
werkstäitten im eigentlichen Griechenland einen ausgebreiteten überseeischen 
Handel mit ihren Fahricaten trieben, und dal's in Italien selbst sich eine 
Anzahl solcher grofsartigen Fabrikorte befanden, welche nicht allein die 
griechische Bevölkerung der Halbinsel, sondern auch die mit ihr später 
vermischte römische mit diesen Geräthen versorgten. S0 hürgerten sich 
bei den Römern nicht nur griechische Gefäfse ein, sondern griechische 
Formen wurden auch für die einheimische römische Fabrication mustergültig. 
Bis zu welchem Grade der Vollkommenheit aber diese einheimische Kunst- 
thätigkeit gediehen war, können wir freilich nicht fiiglich ermessen, da die 
Zahl der durch ihre Inschriften und Fundorte als ächtrömisch zu bezeich- 
nenden Thongefälse meistentheils nur einem niedrigen Handwerksbetriebe 
angehört. Ganz analog der Neuzeit, in der fast jeder Ort von einiger 
Bedeutung eine oder mehrere Töpferwerkstätten besitzt, aus welchen die 
ordinären, für den häuslichen Gebrauch nothwendigen Geschirre hervor- 
gehen, hatten sich auch im Alterthume bei jeder gröfseren Niederlassung 
Töpfer etablirt, welche, je nach dem Material, das der Boden ihnen darbot, 
die Umgegend mit dem gewöhnlichen Topfgeschirr versahen. Derartige 
Werkstätten, welche aus den nochferhaltenen Brennöfen, sowie durch die 
massenhaft um sie aufgehäuften Scherben leicht kenntlich sind, finden sich 
beispielsweise in den Neckargegenden noch mehrfach vor. Die Ausbeute 
an noch erhaltenen Gefäfsen ist jedoch an diesen T öpferwerkstätten nur 
eine höchst unbedeutende, und selten ltifst sich aus den, den mannig- 
fachsten Gefäfsformen angehörenden Scherben ein vollständiges Gefäfs 
wiederherstellen. Schon reicher ist die Ausbeute an wohlerhalteuen Thon- 
geräthen aus römischen Gräbern. Die meisten derselben sind aber von 
geringer Qualität und stehen in Bezug auf ihre künstlerische Behandlung 
den griechischen bei weitem nach. Vorzugsweise ist die Classe der klei- 
neren Trink- und Schöpfgefäfse, sowie der Balsamfltischchen in ihnen ver- 
treten, mit deren Formen wir durch die in dem Abschnitte über die grie- 
chischen Gefäfsformen beigebrachten Abbildungen (Fig. 201) bereits vertraut 
sind. Neu für uns sind nur die Küchengeräthe aus Thon, von denen die Aus- 
grabungen manche interessanten Beispiele geliefert haben. Aus den Formen 
derselben, sowie aus einer Vergleichung mit den bei uns gebräuchlichen Ge- 
fafsen wird sich in den meisten Fällen schon die Art und Weise ihrer An- 
wendung ergeben, und nur hier und da dürften wir fremden Formen begegnen.
        

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