Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727278
Allgemeines. 
Sitzen. 
Geräthe zum 
Sella. 
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denen der Römer mancherlei Bedenken entgegen, die zwar bei Kunst- 
werken, aus denen griechische Meisterhand unverkennbar hervorleuchtet, 
sich leicht beseitigen lassen, nicht aber bei der grofsen Anzahl mittel- 
mäfsiger Kunstschöpfungen, welche man nicht selten wohl mit Unrecht 
als römische bezeichnet. Nur bei den einer spätrömischen Zeit angehören- 
den Kunstwerken, wo der gesunkene Geschmack sich in Composition und 
Ausführung überall in gleicher Weise zeigt, wo selbst die griechische Kunst 
in den allgemeinen Verfall mit hinabgezogen war und römische Sitte und 
Anschauungsweise die nationalen Elemente der Völker des unterjochten 
Orbis verdrängt hatten, dürfen wir ohne Bedenken eine römische Kunst- 
ausübung annehmen. Wie aber gestaltet sich dieses Verhältnifs der römi- 
schen Kunst zur griechisehen in Pompeji, unserer Hauptquelle für die 
Anschauung römischen Lebens? Als ursprünglich griechische, später aber 
vollständig romanisirte Stadt hatte griechische Kunst jedesfalls ungemein 
viel von dem geschalfen, was wir jetzt als römisch bezeichnen. Aus allen 
Compositionen der besseren YVandgemälde und Mosaiken, aus allen kunst- 
voller gearbeiteten Geräthen athmet aber griechischer Kunstgcist. Und den- 
noch haben wir uns entschließen müssen, trotz dieses in Pompeji überwiegen- 
den griechischen Elementes, die daselbst aufgefundenen Geräthe, Wandmale- 
reien und Mosaike, wenn auch von griechischen Künstlern componirt oder 
nach griechischen Vorbildern copirt, doch als römische zu bezeichnen, weil 
ihre Entstehung nicht nur gröfstentheils einer Zeit angehört, in der mit der 
Einführung der römischen Municipalverfassung zugleich auch nach und nach 
dasrömische Element in dieser Stadt vorherrschend wurde, sondern nach- 
weisbar sogar einer ihrer Zerstörung unmittelbar vorangegangenen Periode. 
87. Unterwerfen wir die Geräthe zum Sitzen zunächst einer näheren 
Betrachtung, so erhalten wir aus den Wandgemälden in Pompeji und Her- 
culanum, aus plastischen Bildwerken, sowie durch einige theils vollständig 
erhaltene, theils in Fragmenten aufgefundene Exemplare eine genügende An- 
schauung für die Mannigfaltigkeit der Formen dieser Möbel. Ueberall begegnen 
wir, bei dem einfachen auf sägebockartig gestellten Fiifsen ruhenden Klapp- 
stuhl sowohl, wie bei dem mit vier senkrechten Beinen versehenen lehnlosen 
Sessel, bei dem bald mit niedriger, bald mit hochgezogener und ausge- 
hogener Lehne versehenen Stuhl ebenso, wie bei dem ehrwürdigen Throne, 
griechischen Mustern (vergl.  31). Das Wort sella galt als die allgemeine 
Bezeichnung für alle jene Stuhlformen, welche wir bei den Griechen unter 
den Benennungen Diphroi und Klismoi zusammengefafst haben. Nur für 
den mit einer Rücklehne versehenen Stuhl bedienten sich die Römer speciell
        

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