Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727268
UHU 
Quinctius Flamininus und Paullus Aemilius, die Besieger des Philipp und 
Perseus von Macedonien, zur Verherrlichung ihrer dreitägigen Triumphe 
nach Rom schleppten; die Berichte über die Erpressungen, durch welche 
römische Praetoren sich mit den noch übrig gebliebenen Kunstschätzen der 
ihrer Obhut anvertrauten Provinzen bereicherten. Man lese, wie ein Scaurus 
mit dem Golde der Proscribirten sein Prachttheater erbaute und es mit den 
Statuen und Bildern der geplünderten griechischen Provinzen schmückte, 
wie in seiner tusculanischen Villa, als dieselbe von den erzürnten Sklaven 
in Asche gelegt wurde, griechische Kunstschätze im Werth von etwa vier 
Millionen T halern zu Grunde gingen. Gedenken wir noch, mit Uebergehung 
vieler anderer Beispiele, der frechen Kunsträubereien des Verres, der Plün- 
derung der Schatzkammer des Mithradates durch Pompejus, welcher aus 
derselben, ungerechnet die goldenen und silbernen Tafelgeschirre, allein 
zweitausend kostbare Trinkgefaifse aus Onyx nach Rom sandte; endlich 
der letzten Plünderung Griechenlands durch Nero nach der muthwilligen 
Einäscherung Roms, bei welcher die kostbarsten Kunstschätze, welche in 
früheren Jahrhunderten dorthin gewandert waren, zu Grunde gingen, und 
Delphi und Olympia den Rest ihrer Statuen, welche aus früheren Plün- 
derungen noch übrig geblieben waren, zur Schmückung der aus der Asche 
neu entstandenen Roma herzugeben hatten. So sehen wir Italien mit den 
Werken der Schöpfer der Kunst gleichsam überschwemmt. Der anfangs von 
Einzelnen für die decorative Ausstattung ihrer Häuser und Gärten getriebene 
Aufwand fand nach und nach fast in allen Kreisen der Bevölkerung seine 
Nachahmung, und Liebhaberei und Mode, denen sich allmälig eine gewisse 
Kennersehaft, wenn auch nicht jener die Griechen durchweg charakterisi- 
rende Kunstsinn, zugesellte, riefen einen förmlichen Handel mit griechischen 
Kunstwerken hervor; diese Vorliebe fir das Fremde drängte freilich die 
selbstständigen Productionen römischer Künstler in den Hintergrund. Dazu 
kam, dafs in den verarmten griechischen Staaten es den Künstlern an 
Absatz für ihre Schöpfungen fehlte, dieselben es mithin verzogen, ihre 
Arbeiten in Rom zu verwerthen. Selbst unter den Sklaven, welche aus 
Griechenland nach Italien geschleppt waren, gab es künstlerische Talente 
in grofser Zahl. So bürgerte griechische Kunst sich unter den Römern 
ein, Griechen bildeten überall da, wo höhere künstlerische Leistungen 
beansprucht wurden, die schaffenden und in vielen Fällen wohl auch die 
ausführenden Künstler, und selbst in der niedrigen Sphäre eines handwerk- 
mäfsigen, hauptsächlich auf die Anfertigung des gewöhnlichen Hausrathes 
gerichteten Kunstbetriebes waren griechische Muster mafsgebend. Der 
Kunstkritik treten freilich bei der Sonderung griechischer Leistungen von
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.