Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722402
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Hypaethr: 
Tempel des Apollon 
bei 
Phigalia. 
Tempelform, welche Vitruv in seiner Uebersicht als Hypaethros bezeichnet. 
Er beschreibt dieselbe, abgesehen von den Vorschriften über Säulenzahl 
und sonstige Anordnungen, die hier, wie gewöhnlich mit den griechischen 
Denkmälern, keineswegs übereinstimmen, mit folgenden Worten: vlm Innern 
(in der Cella) giebt es Säulengänge mit doppelter Säulenstellung über- 
einander, von den Wänden abstehend, zum Umhergehen, wie bei den 
äufseren Säulengängen. Allein das mittlere Schiff ist unter freiem Himmel 
und ohne Decke und es sind Thiiren an beiden Seiten im Vorhause und 
im Hinterhause. Muster dieser Gattung befinden sich in Rom nicht, wohl 
aber in Athen der achtsäulige Tempel der Minerva und der zehnsäulige 
des olympischen Jupitere (nach Hirt's Uebersetzung). Unter dem acht- 
säuligen Tempel der Minerva ist der Parthenon zu verstehen; "des zehn- 
säuligen des olympischen Jupiter wird bei einer anderen Gelegenheit in der 
Beschreibung der römischen Tempel Erwähnung zu thun sein. 
Wir unterlassen es hier, auf den Streit über die Existenz oder Nicht- 
existenz solcher Hypaethraltempel näher einzugehen und nehmen nach den 
Resultaten älterer und neuerer Forschung das Vorhandensein derselben als 
gesichert an. Ganz abgesehen von der Angabe, dafs zu der Verehrung 
gewisser Götter olfene und unbedeckte Räumlichkeiten erforderlich waren, 
mufs die Natur grofser Baulichkeiten beim Mangel von Fenstern und der 
Unzulänglichkeit selbst grofser Thüren für die Erleuchtung des Inneren 
auf die Anlage eines offenen Mittelraumes geführt haben, die überdies in 
dem ollenen I-Iofe des Wohnhauses, dessen Einrichtungen so oft mit denen 
des Tempels übereinstimmen, ein bestätigendes Analogon findet. So stimmt 
die bauliche Nothwendigkeit mit der ausdrücklichen Ueberlieferung Vitruv's 
vollständig zusammen, und auch die Betrachtung ächt griechischer Monu- 
mente bestätigt die wohldurchdachtc Anlage hypaethraler Tempel im 
vollsten Mafse. Ja es lassen sich verschiedene Gattungen und Formen 
des lslypaethros nachweisen, die da zeigen, wie durch Cultusrücksichten 
diese Anlage schon sehr früh bedingt war und wie mannigfach dieselbe 
durch Form und Größe der Tempel modifieirt werden konnte. Die ein- 
fachste Form eines Hypaethros haben wir in dem kleinen Tempel auf 
dem Berge Ocha (Figö) kennen gelernt, wo die schmale Oelfnung in 
dem Dache wahrscheinlich durch die Natur der dort verehrten Aether- 
und Himmelsgötter Zeus und Hera erfordert worden ist. Zahlreichere 
Beispiele hypaethraler Cellen finden sich bei den. zur Gattung des Peripteros 
gehörigen Tempelnf Unter diesen heben wir zunächst den Tempel des 
1 Dies ist auch der Grund, weshalb wir hier den Hypaethros einreihen und die auf 
der Natur der äufseren Säulenstellung beruhende Anordnung Vitrnv's verlassen. Ein
        

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