Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727221
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Das Amphitheater. 
Amphitheater 
(Ciäliseo). 
des Flavius 
wir schon bei dem Theater des Scaurus zu erwähnen Gelegenheit hatten. 
Das vierte Stockwerk endlich, dessen Stufen bei weitem höher waren, 
als die der beiden tiefer gelegenen Ränge, war durch einen offenen Porticus 
überragt, der ebenfalls reich geschmückt war und unter welchem sich die 
Sitze liir die Frauen und, vielleicht an den beiden Enden des längeren 
Durchmessers, Plätze für das niedere Volk befunden zu haben scheinen. 
Wir sehen also hier, wie die feste und bestimmte Gliederung, welche bei 
aller Gleichheit der bürgerlichen Rechte das politische Leben und die 
Gesellschaft der Römer kennzeichnet, auch hier wiederkehrt, und das 
Coliseo auch in dieser Beziehung als ein rechtes Erzeugnifs des römischen 
Lebens gelten kann. 
nWenn das Volk," sagt Goethe einmal bei Gelegenheit des Amphi- 
theaters zu Verona, vsich so beisammen sah, mufste es über sich selbst 
erstaunen, denn da es sonst nur gewohnt, sich durch einander laufen zu 
sehen, sich in einem Gewühle ohneOrdnung und sonderliche Zucht zu 
finden, so sieht das vielköpfige, viclsinnige, schwankende, hin und her 
irrende Thier sich zu einem edlen Körper vereinigt, zu einer Einheit be- 
bestimmt, in eine Masse verbunden, als Eine Gestalt, von Einem Geiste 
belebt." S0 will es uns denn bedünken, als 0b das römische Coliseo in 
der Großartigkeit seiner Massen, in der Strenge seiner Conception und 
in dem organischen Zusammenschlufs aller seiner Theile zu einem grofsen 
harmonischen Ganzen uns ein treues Abbild des römischen Staates selbst 
gewähre, und der beklagenswerthe Zustand des Gebäudes, an dessen Zer- 
störung Jahrhunderte gearbeitet haben, ist wohl geeignet, jenem Bilde den 
Hauch der Wehmuth über die gefallene Gröfse zu verleihen, ohne aber 
den Eindruck verringern zu können, den die Erhabenheit der darin sich 
verkörpernden Idee noch heut auf das Gemüth des Beschauers ausübt.
        

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