Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727172
stand daraus ein Amphitheater, in welchem er, nachdem er so das Leben 
des römischen Volkes selbst auf's Spiel gesetzt hatte, Gladiatorenkämpfe 
aufführen liefsß Plinius Endet nicht Worte genug, um seine Entrüstung 
über dies Unternehmen auszusprechen, in welchem er Frevel und Wahn- 
sinn zugleich sieht; Frevel auf Seiten des Tribunen, der das ganze Volk 
den Manen seines Vaters, zu dessen Ehren die Spiele veranstaltet waren, 
gleichsam als Opfer in den Kampf führte; Wahnsinn auf Seiten des Volkes, 
des Siegers über den Erdkreis, welches seine Macht und seine Existenz 
zwei unsicheren Zapfen einer Flugmaschine anvertraute und seiner eigenen 
Lebensgefahr entgegen jauchzte. 
Sei es nun, dafs man schon früher Versuche gemacht hatte, ähnliche 
Gebäude herzustellen, oder dafs sich hier zum ersten Male die Zweck- 
mäfsigkeit eines so gestalteten Raumes für die Aufführung von Gladiatoren- 
kämpfen durch die Erfahrung ergab, schon vier Jahre nach dem kühnen 
Versuche des Curio errichtete J. Cäsar für die von ihm dem Volke ge- 
gebenen Fechterspiele und Thierkämpfe ein Gebäude, das den- beiden zu- 
sammengeftigten Theatern des Curio entsprach und welches den fortan für 
diese Anlagen feststehenden Namen eines Amphitheatrum erhieltl. Dieser 
Bau war allerdings nur aus Holz aufgeführt, jedoch mit grofser Pracht 
ausgestattet. Unter der Regierung des Augustus erhielt Rom durch den 
Freund des Kaisers, Statilius Taurus, das erste steinerne Amphitheater, 
welches indefs bei dem neronischen Brande unterging, ohne dal's irgend 
welche Ueberreste davon erhalten wären. So entstand aus jenen blu- 
tigen Schauspielen, für welche die Römer schon früh eine fast leiden- 
sehaftliche Vorliebe gefafst hatten und welche man bis dahin entweder 
auf dem Forum oder im Circus aufgeführt hatte, eine neue Gebäudeforrn, 
die, wie jene Spiele selbst, den Griechen unbekannt geblieben war, 
und die bald eine so grofse Popularität gewann, dafs, trotz der sehr 
bedeutenden Herstellungskosten, selbst Provinzialstädte die Erbauung sol- 
cher Amphitheater nicht scheuten. Von diesen letzteren scheint ins- 
1 Amphitheatrum heifst eigentlich ein Gebäude, welches auf zwei Seilen ein äsoirgov, 
einen Zuschauerraum, eine cavea halle. Auch die Gebäude für Seegefechte, die sogenannten 
Naumachien, wurden in dieser Form aufgeführt. Ueber die Zweckmäßigkeit der elliptischen 
Form des Grundrisses vergl. Hirt a. a. O. III, 159. wDa es aber bei den amphitheatralischen 
Spielen nicht auf das Hören, sondern nur auf das Sehen ankam, so scheinen für die Wahl 
der Ellipse, auch abgesehen von den römischen Fora, welche zur Zeit der Spiele schon 
eine solche Form haben mufsten, zwei überwiegende Gründe vorzuliegen. Ersllich konnte 
bei gleichem Flächeninhalt die Ellipse mehr Zuschauer enthalten, als der Zirkel, und zweitens 
erlaubte die längliche Form des Kampffeldes, der Arena, den Thieren (und Kämpfern) eine 
gestrecktere und mannigfaltigen Bewegung, als die Zirkelformw
        

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