Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727161
510 
Das Amphitheater. 
des Curio. 
Theater 
zeigt. Auf die Bühne führten aufser den drei üblichen Thüren in der 
Hinterwand noch zwei Pforten in den Paraskenienmauern, wie im Theater 
des Herodes und in dem zu Orange. Auch über diesen Pforten befinden 
sich hier je zwei Oelfnungen, die ihrer Höhe nach den Stockwerken der 
Bühnenwand entsprechen und welche zu kleinen Balconen oder Prosceniums- 
logen für besonders ausgezeichnete Zuschauer gedient haben mögen. Die 
Treppen, die zu ihnen emporführten, sind noch erhalten. Das Gebäude 
hinter der Bühnenwand ist nur schmal, wie das zu Orange; es erhob 
sich in verschiedenen Stockwerken, von denen das mittlere durch eine 
Thür mit dem Raum communicirte, den wir uns zwischen der Bühnen- 
wand und der während der Vorstellung aufgespannten Decoration zu 
denken haben (vergl. S. 323 Hi). 
85. Schon war Rom im Besitze seines ersten steinernen Theaters, 
welches Pompejus im Jahre 55 v. Chr. errichtet hatte (vergl. o. ä 84), als 
die Sucht, die Gunst des Volkes durch ganz außerordentliche Schau- 
stellungen zu gewinnen, zu einem Unternehmen führte, das, so weit uns 
bekannt ist, einzig in der Geschichte der Mechanik dasteht und welches 
wir hier anführen müssen, weil es ohne Zweifel zu einer neuen Form 
der von uns behandelten Gebäude für die öffentlichen Spiele geführt hat. 
Der Unternehmer war C. Curio, der allerdings selbst ganz mittellos war, 
dem aber Cäsar die ungeheuren Summen gewährte, die das Werk erfor- 
derte, um ihn, während er die wichtige Stelle eines Volkstribunen bekleidete 
(50 v. Chr.), für seine Partei zu gewinnen. In Bezug auf Pracht und 
kolossale Verhältnisse konnte dem Volke kaum etwas geboten werden, 
was nicht von dem zwei Jahre früher errichteten Theater des M. Scaurus 
(s. aß 84) übertroffen worden wäre. Nur eine neue Erfindung ver- 
mochte dem Volke zu imponiren, und so ersann Curio ein Werk, das 
allerdings an Neuheit und Kühnheit alles bis dahin Geschehene übertraf und 
dessen Ausführung auch nach dem Berichte des Plinius noch heute fast 
unbegreiflich erscheint. vEr baute", sagt dieser Schriftsteller (hist. nat. 
XXXVI, 24, 8), vzwei sehr grofse Theater aus Holz nebeneinander, deren 
jedes durch bewegliche Zapfen im Gleichgewicht schwebend erhalten wurde. 
Er liefs am Vormittage Schauspiele darin aufführen und aus diesem" Grunde 
waren die beiden Theater von einander abgewendet, damit die Bühnen 
sich nicht gegenseitig durch ihr Geräusch störten. Plötzlich aber wurden 
sie herumgedreht, so dal's sie einander gegenüber standen, und als nun 
gegen Abend die aus Brettern bestehenden Bühnenwände entfernt wurden 
und die Enden der Sitzreihen (cornua, die Hörner) sich berührten, ent-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.