Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722398
Tempel zu Akragas. 
metlu 
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und die Höhe mufs nach Berechnung der erhaltenen Fragmente von Säulen 
und Gebälk fast 120 Fufs bis zur Spitze des Giebels betragen haben. 
Die Säulen nun, welche allein eine Höhe von fast 62 Fufs hatten, standen 
so weit auseinander, dafs, wenn dieselben durch frei aufgelegte Architrav- 
stiicke hätten überdeckt werden sollen, dazu Steinblöcke von fast 2G Fufs 
Länge und über 10 F ufs Dicke gehört haben würden. Die Anwendung 
so grofser Blöcke zu diesem Zwecke gestattete aber die Natur des zu den" 
Bauten von Agrigent verwendbaren Materials nicht, indem dasselbe nicht aus 
Marmor, sondern aus einem ziemlich weichen und bröckelnden Muschelkalk 
besteht, der allerdings mit der Zeit eine gewisse Festigkeit erhält, aber; zur 
Ueberdeckung freier und weitgespannter OeHnungen durchaus nicht benutzt 
werden kann. So sahen sich denn die Agrigentiner genöthigt, zwischen 
den Säulen solide Mauern bis zur Höhe des Gebälkes aufzuführen und 
Architrav und Fries darüber aus einzelnen kleineren Steinblöcken herzu- 
stellen. Statt einer freien Säulenhalle umgab also das Tempelhaus eine 
feste Mauer, aus Welcher nach aufsen hin die Säulen zur Hälfte hervor- 
traten, im Inneren dagegen an den entsprechenden Stellen flache Pilaster 
oder Wandpfeiler angebracht waren. Fenster in dem oberen Theile der 
Mauer scheinen das Innere erleuchtet zu haben. Die Cella ist langgestreckt 
und schmal, wie dies bei den sicilianisclnen Denkmälern überhaupt sehr 
häufig war (vgl. oben Fig. 21 u. 23), und die Wände derselben sind in 
ähnlicher Weise mit Pilastern geziert gewesen. Ücbcr die Anordnung der 
Thür ist man wegen der sonst durchaus ungewöhnlichen ungeraden Säulen- 
zahl in der F acade in Zweifel. Koekerell vermuthet, dafs zwei Thüren 
an den beiden Seiten der Faqade angebracht gewesen seien; ein einhei- 
mischer Forscher, Politi, nimmt eine grofse Thür in der Mitte an, die 
er aber wieder durch einen Pfeiler mit einer kolossalen Gigantengcstaltl 
in zwei Eingänge theilt. 
11. Bei der Beschreibung des Parthenon (s. oben S. 27-31) hatten 
wir bemerkt, dal's der mittlere Theil der Cella unbedeckt gegen das Blau 
des Aethers geöllxlet gewesen sei. Dies führt uns zu der Betrachtung einer 
sehr wichtigen und bei größeren Anlagen ziemlich häufig angewendeten 
1 Eine solche Gestalt ist noch erhalten; sie besteht aus mehreren gewalligenm Stein- 
hlöcken, die man unter den 'l'empelruinen aufgefunden und jetzt in richtiger Folge auf dem 
Erdboden zusammengelegt hat, so dal's die Figur vollständig ist. Gewöhnlich nimmt man 
an, dal's eine ganze Reihe von solchen Gestalten die Decke der Tempelcella getragen habe. 
Dagegen scheint aber der lllangel aller weiteren Bruchstücke zu sprechen; mir wenigstens 
sind während eines längeren Aufenthaltes in Girgenti keine anderen, als die zu der einen 
Gestalt gehörigen Bruchstücke vorgekommen. 
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