Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-727085
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Das 
Theater. 
von Syraöus. 
Theater 
den oberen Theilen zu treiben und also verhindern, dal's zu den obersten 
Sitzen, welche sich über den Absätzen befinden, der Klang der YVorte 
deutlich und vernehmlich gelange. Ueberhaupt ist es so einzurichten, dal's, 
wenn man von der untersten bis zu der obersten Sitzstufe (gradus) eine 
Schnur zieht, diese alle Spitzen oder Ecken der Stufen berühre. Auf 
solche Art wird die Stimme nirgends aufgehalten werden." Nachdem nun 
Vitruv in den folgenden Capiteln (4 und 5) der akustischen Berechnung 
der Theater und der Verstärkung des Sehalles durch gewisse Vorrichtungen 
erwähnt hat, fügt er in Capitel 6 und 7 einige Vorschriften über Form 
und Verhältnisse des Zusehauerraums und der Bühne hinzu. Die Orchestra 
soll in Form eines Halbkreises angelegt werden, um welchen sich die 
Stufen mit Beibehaltung derselben Form erheben. Zwischen der Orchestra, 
in welcher die Sessel der Senatoren ihren Platz haben, und der Innen- 
wand (jrons scenae) befindet sich die Bühne (pulpitzmla), welche doppelt 
so lang als der Durchmesser der Orchestra und breiter oder tiefer an- 
zulegen ist, als die griechische, weil im römischen Theater valle Schau- 
spieler auf der Bühne agiren". vUnd die Höhe des Pulpitum mufs nicht 
mehr denn 5 Fufs sein, damit die, welche in der Orchestra sitzen, alle 
Geberden der handelnden Personen sehen könnenß 
Was ferner die Sitzreihen des Zuschauerraums anbetrifft, so sind 
dieselben nicht blos durch die Praecinctionen in verschiedene Absätze, son- 
dern, auch hierin den griechischen Anlagen entsprechend, durch Treppen 
in keilförmige Abschnitte (cunei) getheilt. In derselben WVeise, radienartig 
auf den Mittelpunkt der Orchestra gerichtet, sind auch die Zugänge an- 
gelegt, welche sich zwischen den ebenfalls radienförmigen Mauern des 
Unterbaues befinden und bei denen insbesondere darauf zu sehen ist, dafs 
die zu den oberen Theilen nicht mit denen zu den unteren zusammen- 
treffen, v sondern alle insgesammt müssen ununterbrochen und gerade fort 
ohne Wendungen laufen, damit, wenn das Volk aus dem Schauspiel heraus- 
geht, es sich nicht dränge, sondern von allen Plätzen besondere freie Aus- 
giinge habee (Cap. 3). 
Nach Vorausschickung der vitruvischen Vorschriften für den römischen 
Theaterbau wenden wir uns zur Betrachtung einiger der bedeutendsten 
Beispiele dieser Gebäudegattung. Unter F ig. 434 (Mafsstab : 1OO sicil. 
Palmen) ist der Querdurchschnitt des Theaters zu Syracus dargestellt, 
welches wir als ein Beispiel jener schon oben  30) erwähnten Erweite- 
rung griechischer Anlagen durch römische Zusätze anführen. Die Cavea 
ist griechischen Ursprunges, sie lehnt sich an einen Felsenhiigel an, ihre 
Sitzreihen sind aus dem Gestein des Bodens selbst gearbeitet. Die erhal-
        

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