Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722375
mancherlei Weihestatuen und andere Anathemata darbietend, im oberen 
Raum für Beschauer des Bildes gewährend, das unter schützendem Ueber- 
bau sich dem Eingang gegenüber (b) erhob. Und wahrlich, es bedurfte 
eines solchen Schutzes, in Rücksicht auf die Würde und Schönheit so- 
wohl, die Phidias in dieser seiner Darstellung der göttlichen Jungfrau 
Athene erreicht hatte, als auch der kostbaren Materialien wegen, aus denen 
die kolossale Gestalt gebildet war. Schon die Basis, worauf die Figur 
stand, war kunstvoll verziert, indem darauf die Geburt der Pandora nebst 
den Gestalten von zwanzig Göttern dargestellt war; auf ihr nun erhob sich 
das Standbild der Göttin, in einfacher aber majestätischer Haltung bis zu 
einer Höhe von 26 Ellen; Gesicht und Hals, Arme, Hände und Fiifse 
waren aus Elfenbein; das Gewand, welches Phidias zu seinem eigenen 
Glücke abnehmbar gemacht hatte, bestand aus lautcrem Golde, welches 
auch in den übrigen Theilen der Figur vorherrschte. Zu der Kostbarkeit 
der Materialien und der mächtigen Totalwirkung der ganzen Gestalt ge- 
sellte sich noch die liebevollste Sorgfalt, mit der fast alle einzelnen Theile 
durch bildlichen Schmuck ausgestattet waren; so der Helm mit einer 
Sphinx und vielem anderen Zierrath; der zu den Füfsen der Göttin ste- 
hende Schild mit Gigantenkämpfen auf der inneren, mit einer Amazonen- 
schlacht auf der äufseren Seite; ja selbst an den Rändern der hohen 
Sandalen War die Kentauromachie in zahlreichen Gestalten dargestellt, 
unter denen sich die Bildnifsfiguren des Perikles und des Phidias selbst 
befunden haben sollen, die später den Gegnern des grofsen Staatsmannes 
Veranlassung zu der Anklage der Gottlosigkeit gegen ihn und den ihm 
nahe befreundeten Künstler gegeben haben. 
Hinter der Cella mit dem Bilde befand sich der Opisthodom D, ein 
geschlossenes Gemach, welches durch zwei kleine T hüren, die im nördlichen 
und südlichen Ende der dasselbe von der Cella trennenden Scheidewand 
angebracht waren, mit der Cella in Verbindung stand; Reste dieser nur liir 
den geschäftlichen Verkehr der Schatzbeamten bestimmten Thüren wurden 
gleichfalls bei der Wegräumuxig des Schuttes im Jahre 1862 aufgefunden. 
Die Decke des Opisthodom war durch vier Säulen gestützt; viele Kost- 
barkeiten, Urkunden und Anathemata, die nicht zu öffentlicher Schau be- 
stimmt waren, befanden sich hier unter der Aufsicht bestimmter Beamten, 
die über den Bestand derselben genaue Rechenschaft abzulegen hatten. 
Aus dem Opisthodom führte eine durch ein Doppelgitter geschlossene Thiir 
in die mit sechs Säulen gezierte, vergitterte Hinterhalle (Posticum), welche 
dem Pronaos ganz ähnlich gebildet war und wie dieser auch zur Auf- 
stellung von Kunstwerken und Weihgeschenkcil gedient hat 
        

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