Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726931
der alten Geschlechtstradition beruhenden Abtheilungen oder Classen des 
Volkes (curiae) dienten, ist ein vollständiger baulicher Abschlufs mit 
Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Ursprünglich in den alten Stadttheilen 
belegen, wurden diese Versammlungslocale später der Mehrzahl nach in 
andere Stadttheile verlegt, woher die Unterscheidung der alten und neuen 
Curien (curiae veteres und o. novae) zu erklären ist,'während die Be- 
deutung der Curia, obschon in politischer Beziehung allmälig geringer 
werdend, als Geschlechtsgenossenschaft auch in späteren Zeiten noch un- 
verändert bestehen blieb. Ihre alten Versammlungslocale sind jeclesfalls 
von einfacher Anlage gewesen; in den späteren Zeiten hat man sich die- 
selben in der Art jener schonä 81 besprochenen Curien zu denken, denen 
sie zum Vorbilde gedient haben mögen. Sie waren mit Heiligthümern 
(aacella) der Juno Quiritis, als der Schutzgöttin der alten Familiengen0ssen- 
sehaft, verbunden, und aufser den Berathungen und feierlichen Handlungen, 
welche unter der Leitung eines curio daselbst stattfanden, wurden in ihren 
Räumen auch gemeinsame Festmahlzeiten der Mitglieder (curiales) abge- 
halten. Während diese Curien zur Berathung einzelner Theile des Volkes 
bestimmt waren, diente das comitiunz dem Gesammtvolke, wenn es in den 
Comitien zur Ausübung seiner Hoheitsrechte zusammentrat. Diese Ver- 
sammlungen und der Ort, an welchem dieselben stattfanden, führten den- 
selben Namen; letzterer bildete den oberen Theil des Forum romanum (vgl. 
den Plan Fig. 428 R). Die Versammlungen wurden unter freiem Himmel abge- 
halten bis zum Jahre 208 v. Chr. (546 der Stadt), in welchem, vielleicht 
bei Gelegenheit der allgemeinen Bürgerzählung, welche damals 137,108 Köpfe 
ergab, das Comitium nach der Angabe des Livius (XXVII, 36) zum ersten 
Male bedeckt wurde. Diese Ueberdeckung war wahrscheinlich, ähnlich wie in 
den Theatern und Amphitheatern, durch ausgespannte Segeltücher hergestellt. 
Trat das Volk nach Mafsgabe der mehr localen Abtheilung in Tribus 
(comitia tributa) zusammen, so pflegte aufser dem Forum auch der Campus 
Martius als Versammlungsplatz benutzt zu werden, wo seit alten Zeiten 
auch die Versammlungen des nach der militärischen Eintheilung der Cen- 
turien berufenen Volkes (comitia centuriata) stattgefunden hatten. Hier 
waren zu diesem Zwecke ursprünglich Einfriedigungen oder Gehege her- 
gestellt worden, welche man sehr anspruchsloser Weise mit dem Namen 
eines ovile (einer Sehafhürde) bezeichnete. Später wurden dieselben septa 
(die Schranken) genannt. Sie waren aus Holz, bis Julius Cäsar sie in 
höchst prächtiger WVeise aus Marmor errichten liefs (septa wzarmorea, 
septa Julia). Ueber ihre Anlage sind wir, trotzdem einige Fragmente 
des alten Planes von Rom sich darauf beziehen und auch auf Münzen
        

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