Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726338
Der 
inmische Privatbau. 
Casa di Ghampionnet zu Pompeji. 
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sich daselbst verschiedene Gegenstände der Toilette und namentlich des 
weiblichen Putzes vorgefunden haben, so dafs man hier mit Wahrschein- 
lichkeit die Wohn- und Schlafgemächer der weiblichen Genossen des Hauses 
annehmen darf. Nach der von Mazois versuchten und auf den sichersten 
lndicien beruhenden Restauration dieses Hauses, von dem er einen Durch- 
schnitt gieht, haben die Gemächer des oberen Stockwerkes eine geringere 
Höhe gehabt, als die des unteren, und sind dieselben um die beiden grofsen 
offenen Räume des Hauses so gruppirt gewesen, dal's ihre Umfassungs- 
mauern sich über den Dächern des Atrium und Peristylium erhoben, ohne 
diesen selbst den Zugang von Licht und Luft zu rauben. Ihre Fenster 
haben sich, wenigstens was das Haupthaus betrifft, nach innen geöffnet. 
Treppen in den Ncbenhäusern deuten darauf hin, dafs auch hier Ober- 
geschosse angeordnet waren, deren Fenster dann freilich nach der Strafse 
sich öffnen mufsten (vgl. Fig. 387). 
Anders freilich als in der Provinzialstadt gestalteten sich die Ver- 
hältnisse in Rom. Ursprünglich planlos, auf einem unebenen Terrain fast 
durchweg mit engen, winklichen Strafsen angelegt, war hier auf einem 
verhältnifsmäfsig beschränkten Raume zur Zeit der Antonine eine Bevöl- 
kerung von fast ein und einer halben Million Menschen zusammengedrängt. 
Nur der Reiche konnte hier ein eignes Grundstück bewohnen, während 
der Mittelstand und die überwiegende Klasse der Armen auf Mieths- 
Wohnungen angewiesen waren. Hier fand die Speculationswuth einen er- 
giebigen Boden. Aus leichtem Fachwerk und schlechtem Material wurden 
die Gebäude aufgeführt, Stockwerke thürmten sich auf Stockwerke, die 
nothwendigsten Ausbesserungen wurden vernachlässigt und durch enorme 
Miethspreise suchten die Häuserspeculanten die Verluste, welche durch Ein- 
sturz oder Feuersbrünste  zwei in Rom tagtäglich vorkommende Er- 
scheinungen  ihrem Kapital erwuchsen, zu decken. Drei- bis vierstöckige 
Häuser waren in der Hauptstadt bereits in der Zeit_ der Republik gewöhn- 
lich. Durch eine Verordnung des Kaisers Augustus durfte aber kein Privat- 
gebäude auf der Strafsenfront die Höhe von 70 römischen F ufs (66 preufs. 
Fufs) überschreiten, und nach dem Neronischen Brande wurde die Bau- 
erlaubnifs sogar nur bis zu einer Höhe von 60 röm. Fufs ertheilt. 
Zum Schlufs dieser Betrachtungen fügen wir unter Fig. 386 noch den 
Durchschnitt eines regelmäfsigen und geschmackvollen Mittelhauses, der casa 
di Championnet in Pompeji, hinzu, welches den Zusammenhang der Haupt- 
theile auf einfacheWeise veranschaulicht. Hier bedeutet a den von der Strafse 
in das Atrium führenden Flur, b das Atrium, dessen Decke von vier schlanken 
Säulen getragen wird (a. corinthium) und in welchem sich die altarähnliche
        

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