Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726318
Der rämische Privatbau. 
Haus des Pansa zu Pompeji. 
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theil der entgegengesetzten Seite nimmt eine Bäckerei nebst dazu gehöriger 
Mühle ein  welcher sich noch drei Verkaufslokale (tabernae) nebst 
dazu gehörigen kleineren Wohnzimmern anschliefsen. Zwischen zwei ein- 
zeln vermietheten Läden befindet sich der Eingang zum Wohngebäude. 
Ein schmaler Flur (vestibulum, 1)' führt in das geräumige Atrium (2, 2), 
dessen Impluvium auf unserem Plane mit 3 bezeichnet ist und in welches 
sechs Seitengemächer (cubicula) durch Thüren münden, während zwei 
andere, in ihrer ganzen Weite sich öffnend, gleichsam Seitenflügel des 
Atrium bilden, wie sie denn auch gewöhnlich als alae bezeichnet werden 
(vgl. das griechische Haus Fig. 91, 4 und 5, und Fig. 92). Dem Eingange 
gegenüber liegt, vollständig unserer obigen Beschreibung entsprechend, das 
Tablinum  das aufser seiner Lage auch durch das besonders sorgfältig 
behandelte Mosaikpflaster des F ufsbodens als Hauptraum charakterisirt ist. 
Obschon nach beiden Seiten des Hauses sich vollständig öffnend, diente 
es doch nicht zur Communication, für welche der rechts vom Tablinum 
angebrachte schmale Gang (fauces, 5) bestimmt war. Links davon, dem 
Atrium des Hauses zugewendct, liegt ein ziemlich grofses Gemach  das 
einen ähnlichen Mosaikfufsboden zeigt, wie das Tablinum, und in welchem 
Ueberrcste von Schriftrollen vorgefunden worden sind, so dal's man das 
Archiv oder die Bibliothek des Besitzers in demselben zu erkennen geglaubt 
hat. Auf der entgegengesetzten Seite, durch die fauces vom Tablinum 
getrennt, befindet sich ein kleineres Zimmer, dessen Eingang aber dem 
Peristyl zugekehrt ist. Vielleicht war es, wie man aus einer nischenartigen 
Vertiefung für das Lager schließen möchte, ein Schlafzimmer. Nun folgt das 
schöne und regelmäßige Pcristylium  dessen offener Mittelraum (8) von 
sechzehn zierlichen Säulen ionisch-korinthischer Ordnung umgeben ist; 
der Boden desselben wird durch ein Bassin (piscina) eingenommen, dessen 
etwa 6 Fufs hohe Seitenwände mit Fischen und Wasserpflanzenbemalt 
sind. In den Umgang des Peristyls münden verschiedene Räume, von denen 
die auf der linken Seite vom Eingang als Schlafzimmer (cubicula) zu be- 
trachten sind. Ein gröfscrer Raum auf der rechten Seite mag als Tricli- 
1 Von einigen Schriftstellern wird unter Vestibulum ein freier Platz vor dem Hause 
(nach Vitruvius VI, 8) verstanden. In Pompeji ist indefs kein einziges Beispiel eines vor 
dem Hause liegenden Vestibulum aufgefunden worden, auch scheint die Bedeutung des 
Worles selbst von den Allen verschieden aufgefafst worden zu sein. Eine Ausgleichung 
zwischen beiden Ansichten würde es vielleicht bilden, wenn man auf unserem Plane nur 
den kleinen, vor der eigentlichen Thür (ostium, janua), aber innerhalb der Flucht des Hauses 
liegenden Vorraum als Vestibulum bezeichnete. Für den darauf folgenden Gang oder Flur 
würde dann der vitruvisehe Ausdruck iter zu gebrauchen sein.
        

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