Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726280
nur kleine Impluvium (d) frei, welches auf unserer Abbildung schraffirt 
erscheint. Eine besondere Bedeutung aber gewinnt dies Haus für uns 
dadurch, dal's sich an die Hauptseite des Atrium ein bisher noch nicht 
betrachteter Raum (e) anschließt, der sich indefs nicht wie die anderen 
durch schmale Thüren, sondern mit seiner ganzen Weite in dasselbe öffnet. 
Vergleicht man hiermit den Grundrifs des oben besprochenen älteren grie- 
chischen Hauses (Fig. 91), so wird man in der Stellung des Raumes e 
zum Atrium ein ähnliches Verhältnifs erkennen, wie es dort zwischen der 
Prostas (Fig. 91 C) und dem Hofe (B) stattfand, nur dal's wegen Be- 
schränkung des Raumes ersterer nicht, wie die Prostas, dem Eingange 
gegenüber angelegt werden konnte. Jener Raum e crgiebt sich daher als 
das Hauptgemach des ganzen Hauses; wir stehen nicht an, darin die ein- 
fachste Form des Tablinum zu erkennen, von dem wir sogleich ausführ- 
licher zu handeln haben werden.  
Dies das ursprüngliche römische Haus, wie es sich nach den oben 
angeführten Indicien wenigstens mit Wahrscheinlichkeit wiederherstellen 
läfst und wie es sich in einigen Reminiscenzen auch in Bauten einer spä- 
teren Zeit erhalten zu haben scheint. Die Veränderungen nun, welche 
diese späteren Zeiten im Häuserbau hervorriefen, sind wie beim Tempel- 
bau aus der Verbindung der heimischen mit griechischen Elementen ent- 
standen. Sie bestehen zunächst in einer Erweiterung, die wir schon oben 
an dem griechischen Wohnhause nachgewiesen haben; denn wie schon 
bemerkt wurde, hat die Mehrzahl der erhaltenen römischen Wohnhäuser 
aufser dem Atrium noch einen zweiten, sehr wesentlichen Theil in dem 
olfenen, meist mit Säulen umgebenen Hofe aufzuweisen. Eine solche Er- 
weiterung konnte übrigens der Natur der Sache nach auch nur auf d'em- 
selhen Wege erfolgen, wie wir dies oben bei dem griechischen Hause 
nachgewiesen haben (vgl. Fig. 92 Hi). Dort betrachteten wir als den ältesten 
Bestandtheil desselben den Hof mit der Prostas; an ihn schlofs sich in 
der Richtung nach hinten oder innen zu der zweite Hof an. Ein solcher 
Hof ist es denn auch, der sich in den meisten erhaltenen römischen Häusern 
an das Atrium anschliefst. Zwischen beiden liegt ein offener Saal, der 
den Mittel- und Hauptpunkt des Hauses ausmacht, das Tahlinum. Es 
zeigt sich jetzt, wie folgenreich die von uns versuchte Restauration des 
griechischen Hauses auch für den römischen Privatbau ist: das Tablinum 
nimmt in letzterem vollständig die Stelle ein, welche die Prostas in er- 
sterem inne hatte. Auch hatte es dieselbe Bedeutung. Hier war der 
Aufenthalt des Islausherrn, der den vorderen und hinteren Theil des Hauses 
von hier gleichmäßig übersehen konnte; hier wurden Documente und Geld
        

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