Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726261
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Der römische Privatbau. 
Das Atrium. 
auch dem Regen freien Durchlafs gewährte, mit dem unmittelbar darunter 
liegenden, etwas vertieften Theile des Fufsbodens implzwizzm und com- 
plzwium genannt wurde. Nun gab es einen alten Rechtssatz, dal's, wenn 
ein Gefesselter das Haus des Flamen dialis beträte, seine Fesseln gelöst 
und diese durch das Impluvium über das Dach auf die Strafse geworfen 
werden sollten, woraus bei der Zähigkeit römischer Rechtsbestimmungen, 
namentlich wenn dieselben dem Sacralrecht angehörten, mit grofser Wahr- 
scheinlichkeit hervorgeht, dal's das Impluvium und somit auch das Atrium, 
dessen wesentliche Gestaltung dasselbe bedingt, uothwendig mit zum ur- 
sprünglichen Hause selbst gehört haben mufsten. 
 Versetzt man sich nun in die Einfachheit der früheren Zeiten der 
römischen Geschichte zurück, so wird man kaum bezweifeln, dal's in dem 
Atrium das dem römischen zum Vorbilde dienende altitalische Haus selbst 
gegeben sei. Das Atrium war für das römisch-italische Haus, was der 
olfene von Säulen umgebene Hof für das griechische war; der Ausgangs- 
punkt, der seiner ganzen späteren Entwickelung zu Grunde lag und, als 
diese Entwickelung vollzogen war, immer noch wesentlicher und Haupt- 
theil desselben. So hat man denn auch das altrömische Haus auf diese 
einfache Weise zu reconstruiren gesucht (vgl. Marini zum Vitruv c. III. 
Fig. 2), und es würde sich, wenn auch nicht als directcr Beweis, doch 
als ein nicht unwichtiger Anhaltspunkt für diese Ansieht eine altetruskische 
Fig 38L Aschenkiste anführen lassen, welche zu Hoggi0 
WAS) Gajello aufgefunden und unter F ig. 381 lIl der 
 Abbildung mitgetheilt ist. Es. hat dem Bildner 
  derselben olfenbar das Vorbild eines Hauses 
g  vorgeschwebt, wie derartige Nachbildungen von 
  Häusern in den Aschengefaifsen überhaupt nicht 
""""iyw'hu selten sind. Man erkennt das weit vorsprin- 
gende Dach, welches von Vitruv auch an den 
altetruskischen Tempeln hervorgehoben wird, man erkennt die Eingangs- 
thüren, man erkennt schliefslich auch das Impluvium, welches durch eine 
Vertiefung in dem erhöhten mittleren Theile des Hauses angedeutet ist, 
so dal's, wenn diese Bemerkungen richtig sind, das Haus, das hier zum 
Vorbilde gedient, in der That nur aus einem Atrium bestanden haben 
würde, dem vielleicht kleinere, schmalere Räume rings umher sich ange- 
schlossen haben mögen. 
Eine wirkliche Bestätigung aber findet diese Ansicht darin, dal's unter 
den zahlreichen Gebäuden von Pompeji uns wirklich einige erhalten sind, 
welche diese einfache Anlage zeigen und welche somit als Reminiscenzen
        

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