Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722305
24 
Begriff des Pteron. 
Peripteros. 
ist, wird diese Anlage erläutern. Auf dieser Abbildung bedeutet A das 
Innere der Cella, B die Säulenumgänge zu beiden Seiten, ab die Säulen, 
bc das Gebälk, welches mit der Cellenmauer durch die Casettendeeke des 
Umganges verbunden ist (über das Innere vergleiche man Fig. 30). 
Die auf diese Weise gebildete, rechts und links von der Tempelcella 
vorspringende Ueberdeekung des Umganges nannten die Griechen nach 
einer Analogie, wie sie uns schon in dem Namen des Giebels (einzig) 
vorgekommen ist, rrzsgöv, Flügel, und von diesem Ausdrucke ist der so 
angelegte Tempel von); nsginzsgo; genannt worden, das heifst ein Tempel, 
welcher ringsherum auf allen Seiten einen solchen vorspringenden Flügel 
hat. Nimmt jene Bezeichnung Bezug auf die vorragende Ueberdeekung des 
Umganges, so bezieht sich eine andere auf die Säulen selbst, und dann 
wird ein Tempel dieser Anordnung vaög oder oixog nsgidzvlog genannt, 
das heifst ein Tempel, der ringsumher Säulen hat, wie denn der Säulen- 
umgang selbst, die Halle, zö nsgidzvlov genannt wird. Der Name 
Peripteros aber ist am meisten verbreitet und der herrschende ge- 
blieben. 
Nachdem wir so zuerst den Aufbau des Peripteros betrachtet haben, 
um uns den Begriff des Pteron und die Construction dieser Tempelgattung 
nach ihren allgemeinen Grundzügen zu vergegenwärtigen, wenden wir uns 
nun zur Betrachtung des Grundrisses, um daran die Anordnung und Ein- 
theilung der verschiedenen Räume kennen zu lernen. Die Raumeintheilung 
ist beim Peripteros bei weitem mannigfaltiger, als bei irgend einer anderen 
Tempelgattung; ja wenn wir bisher für jede dieser letzteren eine be- 
stimmte Anordnung als maßgebend gefunden haben, so wird dieselbe hier 
so vielfach verschieden sein, als uns bisher verschiedene Tempelgattungen 
begegnet sind. Da es sich nämlich bei der Anlage eines Peripteros darum 
handelt, das Tempelhaus mit einem Umgange, einer Säulenhalle, zu um- 
sehliefsen, so kann ja dies Tempelhaus jede der bisher beschriebenen 
Gestalten und Formen haben oder mit anderen Worten ein Antentempel, 
Prostylos oder Amphiprostylos sein. Und dies bringt in der That eine 
Mannigfaltigkeit in die Anlage des Peripteros, die man vielleicht noch 
nicht genug berücksichtigt hat und deren auch Vitruv keine Erwähnung 
thut, wie denn auch die von ihm aufgestellten Regeln für die Errichtung 
dieser Tempel nur dem allergeringsten Theil der erhaltenen Monumente 
entsprechen. 
a) Das vom Säulengange umschlossene Tempelhaus kann also zu- 
nächst ein Antentempel sein, wie wir denselben im 5 4 geschildert haben. 
Ein Beispiel dieser Anlage bietet einer der älteren Tempel zu Selinus dar,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.