Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726198
Römischer Wasserbau. 
Wasserleitungen. 
413 
bare Wasser dem Gebrauch der Menschen zuzuführen hatten. Es sind dies 
die eigentlich sogenannten Wasserleitungen (aguaeductus), die an Schwierig- 
keit der Arbeit und Bedeutsamkeit der dazu erforderlichen Kräfte den eben 
besprochenen Emissaren nicht nachstehen, in der fein berechneten Anlage 
dagegen, sowie in der nothwendigen ununterbrochenen Pflege und Ueber- 
wachung erstere noch zu übertreffen scheinen. 
War ein geeigneter Quell an einem hochliegenden Orte ausfindig ge- 
macht, so mufste das Wasser zunächst gesammelt und gegen störende 
Einflüsse von aufsen geschützt werden. Hieraus enstand das Quellhaus, 
von welchen Anlagen wir schon bei den Griechen ein interessantes Bei- 
spiel angeführt haben (s. o. Fig. 89 und 90) und von denen auch alter- 
thüinliche Proben in Italien vorkommen. Hierher gehört das Quellhaus, 
welches zu Tusculum entdeckt und mehrmals, unter Anderen von Canina 
in seiner Beschreibung von Tusculum, bekannt gemacht worden ist. Das- 
selbe besteht aus einem oblongen, in verschiedene Abtheiltmgen getheilten 
Raum zum Sammeln des Wassers, welcher durch allmälige Ueberkragung 
der Steinschichten überdeckt ist; ein Verfahren, welches wir bei den 
Griechen der ältesten Zeit kennen gelernt haben und welches bei den 
Römern später durch die für solche Zwecke besonders geeignete Wölbung 
verdrängt wurde. Die Art und Weise, das Wasser von hier aus den 
Städten zuzuführen, war sowohl durch das zu Gebote stehende Material, 
als auch durch die Natur des Bodens bedingt. Die Leitung konnte unter 
der Erde angelegt werden, in welchem Falle entweder Röhren oder Ca- 
näle dieselbe vermittelten. Wurden Röhren angewendet, so bestanden die- 
selben aus Blei, Holz oder gebranntem Thon; wogegen die Canäle, ähn- 
lieh den Emissaren, da wo der Boden felsig war, in den Stein getrieben, 
wo der Boden aus weicher Erde bestand, ausgegraben und ausgemauert 
werden mufsten. In beiden Fällen ward dafür gesorgt, dal's in gewissen 
Abständen Schächte und sonstige Oeffnungen dem Canal Luft zuführten 
und so zur Erhaltung der Frische und Reinlichkeit des Wassers beitragen. 
Aehnliche Oeffnungen wurden auch da angebracht, WO der Canal wegen 
der besonderen Beschaffenheit des Bodens eine Senkung erlitt, die man 
mit dem Namen venter zu bezeichnen pflegte. Wo nämlich eine solche 
Ausbauehung stattfand, wurde ein senkrechter Schacht bis zur oder bis 
über die Erdoberfläche geführt, aus der er dann schornsteinartig hervor- 
trat, so dal's das Wasser in demselben wieder auf sein ursprüngliches 
Niveau emporsteigen konnte, um so aufser der Frische zugleich auch neue 
Fallkraft zu erhalten. 
Waren die Canäle dagegen über der Erde zu führen, so lag es nahe,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.