Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722280
22 
Tempel am Ilissos. 
Sänlenumganges. 
Bildung des 
sondern besteht aus einer ununterbrochenen Fläche von der Höhe des 
Architravs, die mit den obenerwähnten Basrcliefs geschmückt ist. Darauf 
folgt das Kranzgesimse (yswov), welches, ohne die Einfachheit und Schwere 
des dorischen Kranzgesimses an sich zu tragen, vielmehr in leichterer und 
freierer Weise aus verschiedenen Gliedern zusammengesetzt ist. 
Der Giebel an der vorderen und- hinteren Seite ist ähnlich dem des 
dorischen Tempels gebildet, nur dal's derselbe etwas höher ansteigt, und das 
Fig 19. denselben einfassende Karniefs dem 
   Geison des Gebälkes entspricht. 
'67"       r ZurVergleichung fügenwirunter 
Ü    (ö  Fig. 19 den Grundrifs 1 des oben er- 
k B C  wähntenTempels hinzmdenstuart 
(Q I Q am südlichen Ufer des Ilissos nicht 
 .1 I     A_ C weit von der Quelle Enneakrunos 
L     aufgefunden hat. Dieser Tempel 
diente zu Stuarfs Zeiten, als 
christliche Kirche, ist aber jetzt gänzlich verschwunden. Er war ebenfalls 
ein Amphiprostylos ionischer Ordnung, dessen Eintheilung in Cella A, Pro- 
naos B und Posticum C ganz den oben ausgeführten Grundsätzen entsprach. 
9. Die vollständigste Anwendung der Säulen findet statt, wenn man 
diese nicht blos, wie dies im Amphiprostylos der Fall gewesen war, vor 
der vorderen und hinteren Seite des Tempels aufstellt, sondern gleich- 
mäfsig um alle vier Seiten desselben umheriiihrt. 
Dies ist die letzte und vollkommenste Form, zu welcher man in der 
Verbindung der Säulen mit dem Tcmpelhause gelangen konnte und zu 
welcher die verschiedenen Entwickelungsstufen, die wir bisher betrachtet 
haben, mit einer gewissen Nothwendigkeit hinführen mufsten? Nun erst 
haben wir ein Tempelhaus, das des Säulenschmuckes auf keiner Seite 
entbehrt, das sich, durch eine ununterbrochene Halle geziert, nach allen 
Seiten gleich schön und reich gegliedert darstellt, ohne die für jeden voll- 
kommenen Bau nothwendige organische Einheit aufzugeben. Daher ist es 
1 Die innere Breite der Cella beträgt 15' 9" engl. 
2 Geschichtlich läfst sich diese allmälige Entwickelung allerdings nicht sicher nach- 
weisen, indem schon die ältesten uns bekannten Denkmäler den vollständigen Säulenumgang 
zeigen. Daher sind denn auch die oben angeführten Tempel, mit Ausnahme des auf dem 
Berge Oeha befindlichen, nicht der Zeit nach als Vorläufer der nun folgenden zu betrachten, 
sondern nur als Beispiele einer vor dem Beginne unserer historischen Kenntnifs liegenden 
Erweiterung des Tempelbaus, dessen einzelne Formen und Stufen auch nach Herstellung 
des Peripteraltempels beibehalten wurden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.