Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726051
Römischer Wegebau. 
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deren Erweiterung bis Ariminum in der via Flaenzivzia entstanden; so 
führte die Unterwerfung der Bojer am Po zur Anlage der m'a Aemilia, 
die der Gallier und der germanischen Völker zur Anlage des grofsartigen 
Straßennetzes in den Alpenländern und in den Rhein- und Donaugegen- 
den, und leicht liefse sich aus der Geschichte der Heerstrafsen die allmälige 
Erweiterung des römischen Staatsgebietes selbst nachweisen. Dies ist der 
umfassendere politische Gesichtspunkt, aus welchem die Römer den Wege- 
bau betrieben und welcher bei den Griechen schon aus dem einfachen 
Grunde nicht zur Anwendung gelangen konnte, weil die zahlreichen kleinen 
Staatsgebiete in Griechenland mit seltenen Ausnahmen stets in ihrer Ver- 
einzelung beharrten, und das Bcdürfnifs eines festen Zusammenschlusses 
entfernter Gebiete mit einer gemeinsamen Hauptstadt zum Zwecke eines 
politischen Verbandes entweder gar nicht oder nur ausnahmsweise sich 
geltend machte. Und wie so die letzten Zwecke der Wegeanlagen wesent- 
lich verschieden waren, so läfst sich eine solche Verschiedenheit auch in 
der Art ihrer Ausführung sehr deutlich erkennen. Es ist bemerkt worden, 
dal's die griechischen Wege und Strafsen, selbst wo sie kunstgemäfs ge- 
führt waren, sich mehr der Natur und den Bedingungen des Bodens an- 
schlossen und auch Umwege nicht scheuten, wo entweder die Bequemlich- 
keit der Reisenden oder alter Brauch dazu einluden. Ganz anders bei den 
Römern. Mit derselben staunenswerthen Energie, die dem politisch ent- 
wickelten und militairisch geschulten Volke fast auf allen Gebieten seiner 
Thiitigkeit eigen war, verfolgen "sie bei der Anlage der Wege nur den 
einen Zweck, möglichst direct zu bauen, in möglichst gerader Linie die 
beiden Zielpunkte der Strafse mit einander in Verbindung zu setzen. Das 
gemüthliche Anschliefsen an die natürlichen Bodenverhältnisse hört auf, 
und anstatt sich den letzteren zu fügen, sucht sie der Römer vielmehr 
zu beherrschen und zu bewältigen. Wo sich Berge entgegenstellen, wer- 
den sie durchbrochen; wo eine Senkung des Bodens die -gleichmäfsige 
Fortführung des Weges zu verhindern droht, wird dieselbe durch Dämme 
und Steinbauten ausgeglichen; wo tiefe Thalgründe oder reißende Ströme 
die einmal eingeschlagene Richtung durchschneiden, werden sie mit kühnen 
Bögen überbrückt, die in vielen Fällen noch lieut das Staunen der Nach- 
welt erregen, obschon unsere Neuzeit in allen technischen und insbesondere 
in den mechanischen wie wissenschaftlichen Hülfsmitteln der Architektur 
die Römer bei weitem hinter sich gelassen hat.  
Von den Durchbrechungen von Bergrücken, die sich dem Zuge der 
Strafsen widersetzten, begnügen wir uns, die sogenannte Grotte des Po- 
silippo bei Neapel anzuführen, welche noch täglich von Tausenden passirt
        

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