Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-726018
Römische Thorbauten. 
Ports. maggiore zu Rom. 
Thore mit d: 
ifachem Durchlafs. 
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Rücksichten bedingt und demgemäfs eine der complicirtesten, die bei ähn- 
lichen Monumenten beobachtet werden. Zugleich aber sind die verschiede- 
nen, dabei obwaltenden Aufgaben in einer so einfachen und schönen Weise 
gelöst, dafs man dies Werk gleichmäfsig als eines der wichtigsten Zeugnisse 
des praktischen und des künstlerischen Sinnes der Römer betrachten kann. 
Zunächst nämlich gewährt das Bauwerk zwei römischen Heerstrafsen, der 
via Labicana und der m'a Praenestina, welche hier im spitzen Winkel 
zusammentreffen, Durchlafs durch zwei hohe gewölbte Portale; diese sind 
von drei mächtigen Mauerpfeilern begrenzt, die in ihren oberen Theilen 
durch kleinere Bogenöffnungen durchbrochen und durch je zwei Halbsäulen 
mit darüber ruhendem Gebälk und Giebel decorirt sind. Der mittlere Pfeiler 
zeigt unterhalb der eben erwähnten Mauerölfnung noch eine zweite, die 
ebenfalls im Rundbogen überwölbt als Pforte gedient hat und noch dient. 
Und während nun so dem Doppelzweek des Verkehres vortrefflich genügt 
ist, hat das Denkmal noch einen zweiten Doppelzweck zu erfüllen, indem 
die Bögen zugleich als Träger zweier über denselben angebrachten Wasser- 
leitungen zu dienen haben. Zunächst über ihnen befindet sich eine Attika, 
welche jedoch keinen Canal einschliefst; über derselben aber erheben sich 
zwei andere Attiken, deren unterste den Durchlafs für die Aqua Claudia, 
die oberste den fiir die Anio nova bildet. Drei grofse lnschriften bedecken 
die Aufsenseite dieser drei Attiken. Die erste besagt, dafs Kaiser Claudius 
den Aqua Claudia benannten Aquäduct aus den am 45. Meilenstein von 
Rom gelegenen Quellen, Caeruleus und Curtius, geleitet, die zweite, dal's 
derselbe Herrscher den Anio nova genannten Aquäduct aus einer Entfer- 
nung von 62 römischen Meilen zur Stadt geführt habe. Die dritte Inschrift 
nennt die Kaiser Vespasian und Titus als Wiederhersteller 'dieses von Clau- 
dius ausgeführten grofsartigen Unternehmens. 
Häufiger als die Doppelthore sind die mit dreifachem Durchlafs ver- 
sehenen, wo dann gewöhnlich der mittlere breiter und höher ist, als die 
zur Seite angebrachten. Ersterer hat zum Verkehr für Fuhrwerk und 
Reiter, letztere haben für Fufsgänger gedient. In sehr schöner Weise 
sehen wir diese Zwecke des Verkehres mit denen der Vertheidigung an 
einem Thore verbunden, welches zu den von Augustus angelegten Befesti- 
gungen von Aosta gehört und von dem Fig. 356 den Aufrifs, Fig. 357 
den Grundrifs darstellt. Was zunächst die Anlage der im Zusammenhange 
mit dem Thore dargestellten Mauer anbelangt, so zeigt dieselbe eine nicht 
unwesentliche Abweichung von den oben besprochenen Verfahrungsweisen, 
indem der Raum zwischen den beiden Stirnmauern, der niederen nach 
aufsen gekehrten (Fig. 357 A) und der höheren nach innen gewendeten
        

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