Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725939
Römische Schutzbauten. 
Die Mauern. 
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lieh mehr zu solchen Zwecken, als zu denen der Wohnung ummauert 
gewesen sei, und so als geschützte Burg, den Akropolen der griechischen 
Städte ähnlich, den festen Kern gebildet habe, um welchen sich später, 
wie dies auch in Griechenland der Fall war, allmälig die ersten Wohn- 
häuser, die Anfänge der Stadt, erhoben. 
Wenn dagegen die wirkliche Gründung einer Stadt beabsichtigt wurde,  
wozu das römische Colonisationssystem häufigen Anlafs bot, so geschah 
dies unter Beobachtung gewisser feststehender Culttisgebräuche. Ein Pflug 
wurde mit einem Stier und einer Kuh bespannt, und auf solche Weise 
der für die Stadt bestimmte Raum mit einer Furche umzogen. Für die 
Thore, deren Zahl ebenfalls durch altgcheiligte Satzungen bestimmt war, 
wurde der Platz dadurch frei gelassen, dal's der Pflug aus der Erde ge- 
hoben und erst jenseits der dafür bestimmten Stelle wieder in die Erde 
gesenkt wurde. Uebrigens wurde derselbe so geführt, dafs die erhöhte 
Reihe der Schollen nach der Seite der Stadt zu, die vertiefte Furche 
dagegen nach aufsen zu liegen kam, so dal's dieselben gewissermafsen zu 
Vorbildern des bei italischen und römischen Städteanlagen üblichen Walles 
und des davor liegenden Grabens dienten. Wo die Bodenbeschalfenheit es 
gestattete, hat man der Grundfläche der Stadt gewifs gern die Form eines 
Vierecks gegeben, und so mag man sich die Anlage der alten „R01n,a. 
Quadraten" auf dem palatinischen Hügel zu denken haben; eine Anord- 
nung, welche an die Form der „ templa" erinnert (vergl. oben g 61 f), wie 
denn auch der Mittelpunkt der Stadt, gerade wie der des Templum, von 
besonderer Heiligkeit war und durch Niederlegung von Spenden und Opfer- 
gaben als soleherlbezeiehnet worden zu sein scheint. 
Was nun die Ausführung der Mauern selbst anbelangt, so ist zu 
bemerken, dal's dieselben von den Römern meist aus Baeksteinen errichtet 
wurden. Doch hat man in neuerer Zeit zu Rom einige Reste der ältesten 
Befestigungswerke aufgefunden, welche noch die griechische Weise des 
Quaderbaues zeigen. So auf dem Aventin, wo man in einer nicht un- 
bedeutenden Ausdehnung den Zug einer aus Quadersteinen errichteten 
Mauer verfolgen kann, die unzweifelhaft der sogenannten servianischen 
Befestigung angehörte. Sie befindet sich auf der Höhe eines mächtigen 
Erdwalles (agger), dessen bei jener Befestigung ausdrücklich Erwähnung 
geschieht, und ist nach der Art der altgrieehischen Befestigungen mit 
Vorsprüngen zur Vertheidigung versehen, wie andererseits auch 113611 ita- 
lischer Sitte in gewissen Abständen gewölbte Bögen, zum Behuf einer 
gröfseren Festigkeit, die horizontalen Steinsehiehten unterbrechen. Aehnlich 
sind auch die Ueberreste gewaltiger Substruetionsmauern beschaffen, die 
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