Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722256
Amphipr 
ßtylos. 
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der Fries hat Triglyphen und Metopen, die ebenfalls bemalt waren; der 
Giebel zeigt die Form, die wir schon bei dem Tempel der Themis kennen 
gelernt haben. 
Die Verbindung der Säulenhalle mit der Tempeleella ist so hergestellt, 
dal's der Architrav von dem Antenpfeiler nach der Säule hinübergeführt 
ist, so dal's das ganze Gebälk und das Dach auf der Vorderseite einen 
starken Vorsprung bilden, der von den Säulen getragen wird. Eine ellen- 
bare Bereicherung der Tempelanlage, indem sowohl die Vorhalle, der Pro- 
naos, eine wiinsehenswerthe Vergrößerung erhielt, als auch die Säule mehr 
als bisher ihre Aufgabe als eine von allen Seiten freistehende und raum- 
öffnende Stütze erIiillte. 
8. Wenngleich in dem Prostylos ein Fortschritt in der Entwickelung 
des Säulenbaues liegt, so liifst sich darin doch ein gewisser Mangel an 
Symmetrie und Gleichmäßigkeit der Anlage nicht verkennen. Die Hinter- 
seite entspricht der vorderen, der Facade, nicht; bei dem stark ausladenden, 
von Säulen getragenen Vorsprung scheint eine ähnliche Ausstattung des 
Tempels auf der entgegengesetzten Seite erforderlich zu sein. Es liegt 
etwas Unvollkommenes und Unbefriedigendes im Anblick eines solchen Tem- 
pels, namentlich wenn derselbe von allen Seiten freistehend gedacht wird. 
Insbesondere aber mufste dieser Mangel den Griechen auffallen, die 
fast in ihrer gesammten künstlerischen T hätigkeit eine besondere Vorliebe 
für Gleichmafs und Symmetrie bekundet haben. YVie sorgsam wägen die 
griechischen Redner das Mafs und die Gliederung ihrer Perioden gegen- 
einander ab; wie symmetrisch entsprechen sich in der lyrischen Poesie 
Strophe und Antistrophel Und bei der Verzierung irgend welcher Räume 
oder bestimmter Gegenstände durch plastischen oder malerischen Schmuck 
ist schon öfter auf die Sorgfalt hingewiesen worden, mit der die griechi- 
schen Künstler eine vollkommene Symmetrie und einen strengen Paralle- 
lismus der Gruppen durchzuführen suchten. Diesem Gefühl für Symmetrie 
und Parallelismus aber mufste es lebhaft widersprechen, den vorderen 
Theil des Tempels in einer so ganz auffallenden Weise bevorzugt zu 
sehen, und man mufste schon früh dahin gelangen, denselben Schmuck 
der freistehenden Säulenhalle auch der gegenüberliegenden 'l'empelseite 
hinzuzufügen. Aus dieser, wie wir gesehen haben, ganz naturgemtifsen 
und dem Sinne der Griechen völlig entsprechenden Hinzufügung oder 
Erweiterung ging nun diejenige Form hervor, welche die Griechen in sehr 
bezeichnender Weise von); äyrpangorrzvlog nannten, d. h. einen Tempel, 
welcher auf beiden Seiten eine vorstehende Säulenhalle hat. Der Amphi- 
2-36
        

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