Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725733
mit gewi 
römische Tempel 
Der 
älbter Gella. 
367 
halle eingenommen wurde. Die Cella wurde zugleich (wie dies vielleicht 
auch bei dem vorhererwähnten Jupitertempel zu Pompeji der Fall war) als 
Sitzungssaal des Senates benutzt und wird deshalb auch mit dem Namen 
Curia bezeichnet. Hier war es unter anderem, wo Cicero seine Reden 
gegen Catilina hielt. Nach einigen Fragmenten architektonischer Glieder, 
die daselbst aufgefunden wurden, sowie nach den Platten farbigen Mar- 
mors zu urtheilen, mit denen der Fufsboden bedeckt war, mufs die ganze 
Einrichtung eine sehr prachtvolle gewesen sein; wahrscheinlich sind jene 
Ueberreste der Erneuerung des Baues durch Tiberius zuzuschreiben, welcher 
von den Schriftstellern Erwähnung gethan wird. 
66. Wir hatten oben S64 auf eine dritte Veränderung hingewiesen, 
welcher die Formen des griechischen Tempelbaues bei den Römern unter- 
worfen werden konnten. Dieselbe geht aus der Anwendung einer neueu 
Art der Construction hervor, welche von den Griechen nur selten und in 
grofsartigem Mafsstabe niemals benutzt worden ist, und durch welche es 
möglich wurde, den grofsen Tempelcellen eine höchst imponirende monu- 
mentale Ueberdeckung zu geben. Dies ist die Kunst der Wölbung, durch 
deren kühne Anwendung und consequente Durchführung die römische 
Architektur sich sehr wesentlich von der der Griechen unterscheidet. Ohne 
auf die Frage hier näher einzugehen, inwieweit und seit wann die Kunst 
der Wölbung den Griechen bekannt gewesen sei (vgl. o. Fig. 177 und 178), 
noch 0h die italischen Viilkerschaften dieselbe erfunden, haben wir nur 
die beiden Thatsachen hervorzuheben, dafs schon in sehr früher Zeit bei 
den Etruskern und anderen italischen Völkern Beispiele von Gewölbebauten 
vorkommen und dafs die Römer diejenigen gewesen sind, Welche dies 
Constructionsprincip zu vollständiger Geltung gebracht und zu einem in 
technischem wie ästhetischem Sinne gleich bedeutenden Element ihrer Bau- 
kunst erhoben haben. Von der verschiedenartigen Anwendung dieser ita- 
lischen Construction bei Canälen, Brücken, Wasserleitungen, Thoren und 
Triumphbögen werden wir in der Folge noch öfter zu handeln haben, in- 
dem fast alle diese und ähnliche Aufgaben vermöge der Wölbung in einem 
von den Griechen durchaus abweichenden und bei weitem grofsartigeren 
Sinne gelöst werden konnten. Hier kommt es zunächst nur darauf an, die 
Anwendung dieses Principes auf den Tempelbau festzustellen, indem auch 
der Charakter dieses Theiles der öffentlichen Baukunst auf die allerent- 
schiedenste Weise dadurch modificirt werden mufste. Indem wir nun zu- 
vörderst an die so eben betrachteten Formen des römischen Tempelbaues 
anknüpfen, haben wir die Bemerkung vorauszuschicken, dal's im Aeufsern
        

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