Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725686
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Verschmelzung der griechischen und italischeu Tempelform. 
sungen desselben zeigen. Eine der schönsten läfst sich am Pantheon (vgl. 
Fig. 340 bis 342) erkennen, von dem eine Säule nebst Gebälk unter 
Fig. 326 dargestellt ist. In späterer Zeit tritt eine gewisse Ueberladung 
ein und es entsteht durch l-linzufügung der ausgebildeten Voluten der ioni- 
sehen Ordnung das sogenannte composite Capitell, von dem unter anderen 
Desgodetz (V, 17) und Cameroon (Baths of the Romains, pl. 30) bezeich- 
nende Beispiele anführen (vgl. auch den Triumphbogen des Titus, Fig. 417). 
65. Wir haben oben  63) die Gründe nachgewiesen, auf denen 
die Einführung griechischer Tempelformen in die römische Architektur 
beruhte. S0 frühzeitig dieselben auch eintraten und so nachhaltig ihre 
Wirksamkeit auch war, so konnte es doch nicht fehlen, dal's die altita- 
lische Sitte auch eine gewisse Rückwirkung auf die von den Griechen ent- 
lchnten Formen ausübte. Vor allem mufste die Rücksicht auf den hei- 
mischen Cultus und die dadurch bedingte Form des templum (s. o. 5 61) 
darauf hinführen, die den Anforderungen desselben am meisten entsprechende 
Form der griechischen Tempel auszuwählen und mit Vorliebe anzuwenden, 
und daran konnte sich in zweiter Reihe auch eine gewisse Umgestaltung 
der griechischen Anlage knüpfen. Nun muls aber bemerkt werden, dal's 
von den griechischen Tempelformen keine den Bedingungen des italischen 
Cultus mehr entsprach, als die des Prostylos. War doch der toscanisehe 
Tempel, indem er aus Rücksicht auf die Himmelsschau in seinem vorderen 
Theile nur durch Säulenstellungen eingenommen wurde, selbst ein Pro- 
stylos. Und so ist es denn leicht zu erklären, dal's in der That auch 
keine griechische Tempelform von den Römern häufiger, als die des Pro- 
stylos, zur Anwendung gebracht worden ist. Keine war übrigens auch 
so geeignet, durch eine höchst einfache und nahe liegende Erweiterung 
den Erfordernissen des italischen Cultus noch mehr angepafst zu werden. 
Man durfte nämlich nur die bei dem griechischen Tempel um eine Säule 
vorspringende Vorhalle erweitern und dieselbe statt mit einer mit zwei 
oder mehreren Säulen vorspringen lassen, und man gelangte auf die aller- 
natürlichste Art zu einer Anlage, die dem etruskisch-römischen templum 
in xsehr augenscheinlicher Weise entsprach, und in welcher die vordere 
nur von Säulen umgebene Hälfte (pars ant-ica ä 61) der hinteren, von der 
Cella eingenommenen (postica) an Gröfse fast gleich war und die Cellen- 
thür somit, als Standpunkt des Augurs, entweder vollständig oder doch 
annäherungsweise in der Mitte des Tempels sich befand. Dies ist in 
der That vielfach geschehen und die daraus hervorgehende Form eines 
Prostylos mit weit vorspringender Vorhalle ist so häufig von den Römern
        

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