Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725661
wichtiges Element in der Gestaltung des öffentlichen Lebens der Römer 
so viel als möglich zu veranschaulichen, mufs auch der Säulenordnungen 
Erwähnung geschehen, in deren veränderter Form und Durchführung der 
veränderte Geschmack und somit das Wesen des Volkes selbst zum Aus- 
druck gelangten. In dieser Beziehung ist nun zunächst zu bemerken, 
dal's die verschiedenen Säulcnordnungen, wie wir sie schon bei den 
Griechen kennen gelernt haben, auch von den römischen Architekten 
angewendet worden sind. So können wir als Beispiele der dorischen Ord- 
nung den vorher erwähnten Tempel des Quirinus zu Rom und den Her- 
culestempel zu Cori anführen, sowie mehrere andere Proben dorischen 
Styls, welche von Canina (Arcbitettura romana tav. 67) zusammengestellt 
sind. Sie zeigen allerdings die allgemeinen Formen der griechischen Bauten, 
jedoch meist entfernt von deren Reinheit und feiner Berechnung, oft mifs- 
verstanden und nicht selten willkürlich verändert. Der dorischen in der 
Hauptsache nahe verwandt ist die von den Römern nicht selten in An- 
wendung gebrachte toscanische Ordnung. Dieselbe beruht auf einer schon 
in früher Zeit erfolgten Uebertragung der griechischen Formen und auf 
deren Umbildung durch die Etrusker, von denen sie die Römer entlehnt 
und in ein bestimmtes System gebracht haben. Die darauf bezüglichen 
Anweisungen hat Vitruv zusammengestellt; dazu kommen einige höchst 
alterthiimliche Ueberreste dieser Ordnung, die an und auf etruskischen 
Gräbern gefunden worden sind (vgl. insbesondere die Säulenfragmente der 
Cucumella von Vulci), wie endlich einige jüngere Proben dieses Styls an 
späteren römischen Gebäuden, so dal's man eine Wiederherstellung jener 
altetruskischen Säulenordnung unternehmen konnte. Für uns genügt es, 
auf die unter Fig. 324 dargestellte Facade des capitolinischen Tempels zu 
verweisen, die nach Mafsgabc dieser verschiedenen Gesichtspunkte in tos- 
canischer Ordnung restaurirt ist.  
Auch die ionische Säulenordnung ist an römischen Bauten angewendet 
worden. Es zeigen dieselbe unter anderen ein kleiner Tempel zu Tivoli 
(s. u. Fig. 328), sowie der noch heut erhaltene Tempel der Fortuna virilis 
zu Rom und der des Saturn am römischen Forum; am Colosseum (s. u. 
585) wie am Theater des Marcellus ist das zweite Stockwerk mit ioni- 
schen Halbsäulen verziert, und auch in Pompeji sind einige, wenn auch 
nur Wenige Ueberreste dieses Styls aufgefunden worden. Fast alle diese 
Beispiele haben mehr oder weniger erhebliche Abweichungen von der rein 
griechischen Form erlitten. Vor allem ist es der feine Schwung des Canals 
und der Spirallinie der Voluten, welcher sich immer mehr verliert, wie 
ja denn selbst die grofsen ionischen Tempel in Kleinasien von der Feinheit
        

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