Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725650
die Mauern wie den doppelten Säulenumgang errichtet, und nicht minder 
wird der Ueberdeckung des Gebälkes als seiner Arbeit Erwähnung gethan, 
so dal's sich Hadrian's Betheiligung entweder auf die Vollendung der letzt- 
genannten Theile oder auf den prächtigen Ausbau des Innern beschränkt zu 
haben scheint. Der Tempel, dessen Grundrifs Fig. 325 darstellt, war ein 
Dipteros von 173 Fufs Breite und 359 F ufs Länge, und Livius (XLI, 20) 
hatte Recht, denselben als einzig auf der Welt zu bezeichnen. Auf den 
schmalen Seiten hatte er zehn, auf den Langseiten zwanzig Säulen; an 
den ersteren befanden sich, statt der beim Dipteros üblichen zwei Säulen- 
reihen, deren drei angeordnet, wie sich aus den erhaltenen Ueberresten 
deutlich crgiebt. 
Von den beiden übrigen Tcmpelgattungen, dem Pseudodipteros  13) 
und dem Hypaethros (s. 5 11), hat es nach Vitruv keine Beispiele in Rom 
gegeben. Jedoch ist in ersterer Beziehung zu bemerken, dal's der weiter 
unten zu beschreibende Tempel der Venus und Roma (vergl. ä 66) in der 
Hauptanlage den Erfordernissen eines Pseudodipteros entspricht; und was 
den Hypaethros anbelangt, so geht aus Vitruv's Worten (III, 2) hervor, 
dal's der oben besprochene Tempel des olympischen Jupiter zu Athen, 
ebenso wie der benachbarte Parthenon, ein Hypaethros gewesen sei. 
64. Nachdem wir im vorigen Paragraphen nachgewiesen, in wie aus- 
gedehnter Weise die Formen der griechischen Tempelbaukunst von den 
Römern angenommen worden, haben wir darauf aufmerksam zu machen, 
dal's dieselben sich bei dieser Uebertragung auch mancher Veränderung 
unbequemen mufsten. Diese Veränderungen können entweder durch die 
Rückwirkung der ursprünglichen italischen Tempelanlage auf die griechische 
Form bedingt werden, und sie werden in diesem Falle sich in einer Ab- 
weichung des Grundrisses und der räumlichen Eintheilung des Tempels 
kund geben. Andererseits aber können neue Constructionsarten hinzu- 
treten und in ihrer Anwendung, sei es auf den reingrieehischen, sei es 
auf den griechisch-italischen Tempel, diesem einen durchaus abweichenden 
Charakter verleihen.  
Ehe wir uns indefs zu diesen wichtigeren Modificationen des über- 
lieferten Tempelbaues wenden, haben wir noch einiger weniger bedeut- 
samen Abweichungen Erwähnung zu thun, welche sich in den an rö- 
mischen Tempelbauten zur Anwendung gebrachten Säulenordnungen zu 
erkennen geben. Streng genommen gehören dieselben der Kunstgeschichte 
an und würden daher von unserer Betrachtung auszuschließen sein. Da 
es indessen mit zu unserem Zwecke gehört, den römischen Tempelbau als
        

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