Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725632
Die 
Aufnahme 
griechischer Tempelformen in Rom. 
357 
und steigt, wie es scheint, in demselben Mafse, als die Anhänglichkeit" an 
die altheimischen Culte unter den wachsenden Einflüssen modernster grie- 
chischer Bildung verschwindet. Vielleicht hatte jene Mischung altgeheiligter 
Volksvertretung mit der mehr künstlerischen Gestaltung der griechischen 
Mythologie die feste Gläubigkeit schon erschüttert, die in früheren Zeiten 
einen so wesentlichen Zug des römischen Volkscbarakters ausgemacht 
hatte; nun kam der Einflufs der zweifelsüchtigen griechischen Specula- 
tion hinzu, um auch den Rest derselben noch schwankender zu machen 
und in den höheren Classen die schon lange gehegte Gleichgültigkeit gegen 
den Cultus in eine völlige Abneigung zu verkehren, indem die Priester- 
ämter denen, die sie bekleideten, fast immer gehässige Fesseln in Bezug 
auf die politische Wirksamkeit auferlegten. So wurde das alte religiöse 
Gefühl immer mehr zurückgedrängt, und es wurden nicht selten Klagen 
laut, dafs die Tempel der Götter leer ständen und wegen Mangels an 
Pflege ihrem Ruin entgegengingen. Als Augustus deren in grofser Zahl 
wieder erneuerte (es soll dies mit 82 Tempeln der Fall gewesen sein), da 
ist dies gewifs meistentheils im Sinne des griechischen Cultus und der grie- 
chischen Kunst geschehen und, wie im Bewufstsein "des Volkes die alten 
Götter durch die von der allgemeinen Vorliebe empfohlenen griechischen 
Götterideale verdrängt wurden, mufste natürlich auch die altheimische 
Tempeleinrichtung den Formen der griechischen Kunst weichen, die ja 
ohnehin schon zum mafsgebenden Vorbilde für alle eigenen künstlerischen 
und poetischen Schöpfungen der Römer geworden war. 
Dies sind die wechselnden Phasen des Einflusses, welchen das grie- 
chische Wesen auf die Umgestaltung des altitalischen Tempelbaues aus- 
geübt hat. Wir haben dieselben in rascher Uebersicht hier angedeutet, 
um die Möglichkeit nachzuweisen, ,wie die Römer allmälig dazu kamen, 
sich der griechischen Tempelformen zu bedienen, und haben hier nur das 
Eine noch hinzuzufügen, dal's in der That sämmtliche Formen des grie- 
chischen Tempels unter den römischen Cultusdenkmälern vertreten sind. 
Die einfachste Form des templuon in antis (s. ä 5) zeigte nach Vitruv 
(III, 1) einer der vor der Porta Collina befindlichen drei Fortunentempel; 
die des Prostylos (s. S 7) war sehr häufig und wir werden weiter unten 
ä 65 ausführlicher davon zu handeln haben. Selbst die bei den Griechen 
nicht häufige Form des Amphiprostylos (sg 8), von der auch Vitruv 
kein Beispiel, weder in Griechenland, noch in Rom anfihrt, läfst sich 
wenigstens in einem Beispiele, dem Tempel auf dem Forum zu Velleja, 
nachweisen (vergl. g 82). Von dem Peripteros (s. ß 9) führt Vitruv 
zwei Beispiele an, den Jupitertempel in der Halle des Metellus und den
        

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