Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725616
Griechische Bildung in Italien und Rom. 
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Kriegswesen sowohl, als auch auf dem Gebiete der Künste und der Poesie 
die glänzendsten Erfolge erreicht wurden. Kein Wunder, wenn überall 
auf der italischen Halbinsel eine der griechischen verwandte und von ihr 
ausgehende Bildung sich zu regen beginnt; Etrurien erfüllt sich mit grie- 
chischen Kunstwerken und beginnt selbst mit jenen grofsen Vorbildern zu 
rivalisiren; Apulien hatte von Anfang an sich in einer der griechischen 
verwandten Weise entwickelt; in Lucanien und Campanien machen sich we- 
nigstens zum grofsen Theile griechische Sprache und Schrift geltend, worin 
sich stets ein Zeichen gröfster geistiger Gemeinschaft erkennen läfst, und 
wenn auch damals Rom, das uns hier hauptsächlich beschäftigt, durch den 
schwierigen und kampfreichen Ausbau seiner inncrenVerfassung, sowie durch 
die, theils in Folge des kriegerischen Sinnes der Bewohner, theils durch die 
Verhältnisse selbst gebotene Erweiterung des römischen Gebietes, verhindert 
wurde, die Keime griechischer Gesittung mit Sammlung in sich aufzu- 
nehmen und mit Ruhe und Hingebung zu pflegen, so konnte man sich 
doch dem Einflusse griechischer Bildung als weltbestimmender Macht nicht 
entziehen, und es kann kaum einen schlagenderen Beweis für die letztere 
geben, als dafs trotz aller Ungunst der Verhältnisse (die bei weitem gröfser 
als unter der Königsherrschaft war) vielfache und stets sich mehrende 
Thatsachen die Einwirkung griechischer Sitten auf das römische Leben 
bekunden.  
Und zwar ist kaum ein Gebiet des römischen Lebens, das von dieser 
Einwirkung sich ganz frei hält; staatliche Einrichtungen, Regulirung des 
Verkehres, die Umgestaltung der Gesetzgebung gehen nach griechischen 
Vorbildern vor sich; und während dies hauptsächlich durch hervorragende 
Kenntnisse und Thiitigkeit Einzelner bedingt ist, so scheint sich mit der 
Eroberung Campaniens im fünften Jahrhundert der Stadt die dort heimische 
griechische Bildung in immer weitere Kreise zu ergiefsen, und was sonst 
Vorrecht einer verhiiltnifsmäfsig geringen Zahl von Staatsmännern gewesen, 
allmälig zum Erfordernifs allgemeiner Bildung selbst zu Werden. Doch 
ganz abgesehen von diesem gewaltsamen und sich unaufhörlich steigernden 
Eindringen griechischer Bildung, wodurch ein neues Element in das rö- 
mische Staatsleben selbst eingeführt wurde und wonach neben der grie- 
chischen Sitte auch die Unsitte (eben weil sie griechisch war) nicht selten 
sich geltend machte, ist noch ein anderer Punkt aus dem Anfange dieser 
Periode hervorzuheben, der für unseren Zweck, die Einflüsse griechischer 
Baukunst auf die römische Tempel-Architektur nachzuweisen, von der 
gröfsten Bedeutung ist. 
Es ist dies der Umstand, dafs die alten Cultusbeziehungen zwischen 
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