Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725565
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Herstellung des Templum zur 
Beobachtung der Himmelszeich 
das sodann auf eine dem besonderen Zwecke entsprechende Weise einge- 
friedigt wurde. Der allgemeine Name für einen solchen Raum war tem- 
plum, was wohl von einer altitalischen, mit dem griechischen zäpvetv 
(abschneiden, abgrenzen) verwandten Wurzel herzuleiten ist und seine 
Analogie in dem griechischen zänsvog findet. Um die eigentlichen Anspi- 
cien vorzunehmen und die dem Auguren zu Theil werdenden Zeichen 
als günstige oder ungünstige zu erkennen, wurde dieser Raum noch weiter 
F. E gegliedert und eingetheilt (Fig.321). Zunächst ver- 
ig. 321.  
jV band man die gegenüber liegenden Ecken des Qua- 
a, y a1, drats (abcd) mit zwei Diagonalen (ac und bd); 
  durch den Schneidungspunkt derselben wurden so- 
Wfefe", fü dann zwei, den Seiten des Vierecks parallele Linien 
 geführt (e f und 9h), wodurch das Viereck selbst 
nach den beiden entgegengesetzten Richtungen hin 
5b k aß in zwei gleiche Hälften gethcilt wurde. Von dem 
A? Mittelpunkte aus nahm der Augur seine Beob- 
achtung vor, und zwar stand derselbe so, dal's er vom Norden, der im 
altitalischen Glauben als Sitz der Götter betrachtet wurde, nach dem Süden 
gewendet war. Von diesem Standpunkte aus erhielten die verschiedenen 
Theile des templuvn ihre besonderen Namen. Die Tbeilung selbst aber 
war eine doppelte, je nachdem man die von Westen nach Osten gezogene 
Linie e f (decumanus) oder die von Norden nach Süden gerichtete Linie 
gh (cardo) als Mafsgabe dienen liefs. Nach Mafsgabe der ersteren zer- 
fiel der Raum in einen hinter und einen vor dem Auguren liegenden 
Theil, die denn auch demgemäfs als pars postica (ac f d Norden) und 
antica (eb f c Süden) bezeichnet wurden. Nach Mafsgabe des cardo 
dagegen zerfiel der Raum in eine rechte (agbh) und in eine linke 
Hälfte (ghdc), von denen die pars dextra nach WVesten, die sinistra 
dagegen nach Osten hin gelegen war. 
Ohne die Bedeutung dieser, ohnehin wie es scheint manchem Wechsel 
unterworfenen, verschiedenen Theile für die dem Auguren sich darbietenden 
Zeichen näher zu erörtern, haben wir nur die Anwendung dieser ganzen 
Anordnung auf die für den Cultus bestimmten Räume hier weiter zu ver- 
folgen. Denn der Regel nach bedeutet ÜCIILPZIHIZ das nach dem oben an- 
gegebenen altitalischen Auguralritus angeordnete Haus der Gottheit. Daher 
denn auch die Abweichungen desselben von dem griechischen Tempel, der 
von den Römern im Gegensatz zum te-mplzonz gern als aedes oder aedes 
sacra bezeichnet wird. Ein Gegensatz, der sich recht deutlich als Aus- 
druck jener Grundverschiedenheit der römischen und griechischen An-
        

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