Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725543
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Grundlagen des römischen T: 
1mpelbaues. 
festhalten lassen: die Erfordernisse, die aus der ursprünglichen italischen 
Cultur hervorgehen; die Einwirkung und Nachbildung griechischer Formen 
und endlich die rückwirkenden Einflüsse römischer Bildung und römischen 
Geschmacks auf die von den Griechen entlehnten Grundformen und die 
dadurch bewirkte Veränderung der letzteren. 
Was zunächst jenen ersten Gesichtspunkt hetriift, so haben wir hier 
einen, wenn auch nur flüchtigen Blick auf die religiösen Anschauungen 
der altitalischen Völkerschaften zu werfen. Diese nämlich stellten sich die 
Götter keineswegs in so menschlicher Gestalt und so menschlichem Wesen 
vor, als die Griechen vermöge ihrer künstlerischen Anlage und ihres plasti- 
schen Gestaltungstriebes dies thatenl. Von den Römern wurden dieselben 
vielmehr in einer verständigen, reflectirendenWeise als die Schutzherren aller 
menschlichen Verhältnisse, als die Vorbilder aller menschlichen Tugenden 
aufgefafst, und indem jedes Ereignifs und jede Function der Natur ihren 
besondern Schutzherrn, jede Entwiekelungsstufe des menschlichen Daseins 
ihr Abbild in irgend einer Gottheit fand, und dies durch die sprachliche 
Uebereinstimmung der altitalisehen Gottheiten mit den von ihnen vertre- 
tenen und zugleich beschützten Momenten des physischen wie sittlichen 
Lebens meist höchst klar und eindringlich ausgesprochen war, entbehrten 
sie natürlich jener mehr realen Lebensfülle und Individualität, zu welcher 
die Griechen die ursprünglich symbolischen Grundgedanken ihrer Götter 
gesteigert hatten. Und wie sie ohne die ebenfalls griechische Zuthat eines 
reich bewegten Mythenlebens blieben, waren sie andererseits auch weit 
von der persönlichen Geltung entfernt, die dem Griechen den Gott als 
einen wenn auch idealisirten, doch vollen und wirklichen Menschen ent- 
gegentreten liefs. Von dieser menschlichen Seite ihres Erscheinens aber 
entkleidet, bedurften die römischen Götter streng genommen weder der 
bildlichen Darstellung, noch des schützenden Hauses. 
Wenn nun aber trotzdem, theils durch einen allen auf primitiver 
Entwickelungsstufe stehenden Völkern gemeinsamen Drang, theils in Folge 
der bis in das höchste italische Alterthum hinaufreichenden Einwirkung 
griechischer Anschauungen oder der noch älteren Gemeinsamkeit mit den"- 
selben (für Rom scheint hier namentlich das tarquinischeKönigsgeschlecht 
von Einflufs gewesen zu sein), sowohl Götterbilder als auch Wohnungen 
derselben schon in sehr frühen Zeiten vorkommen, so haben die letzteren 
doch, so weit sie rein italischen Ursprungs sind, eine von der griechischen 
durchaus abweichende Form erhalten. Es beruht dies hauptsächlich darauf, 
und 
menschlichen 
zwischen der 
1 Siehe S. 7, wo der Zusammenhang 
dem Tempelbau angedeutet ist. 
Bildung der Götter
        

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